Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 6 – Wandel im Geist (15:00 bis 20:00)

 

Wir sind gehorsam gemacht worden! Der neue Mensch ist nach Gott geschaffen. So wie der alte Mensch nach dem Teufel geschaffen ist, mit einem eingebauten Verlagen, immer das Verkehrte zu tun, immer das zu tun, was dem Lebensstil des Teufels entspricht und was dessen Resultate hervorbringt: Zerstörung und Selbstzerstörung. Das ist ja auch das Schicksal des Teufels – er richtet Zerstörung an, aber letzten Endes – er zerstört sich selbst. Das ist die Frucht einfach eines solchen Lebensstils.

Und jetzt umgekehrt – Leben im Geist ist Heilung für uns und Heilung und Hilfe, Lösung, Auferbauung, Ermutigung für andere. Wenn wir anfangen, im Geist zu wandeln, dann zum ersten Mal sind wir nicht mehr Teil des Problems, sondern Teil der Lösung. Wir sind nicht mehr Teil des Problems dieser Welt, sondern wir fangen an, Stück für Stück, mehr und mehr Teil von Gottes Antwort zu sein.

Dieses Problem in der Welt ist die Sünde, und die Sünde hat eben einen Mechanismus, sich selber aufrecht zu erhalten oder sogar sich selber zu multiplizieren. Die Sünde des einen bewirkt – wenn ich im Fleisch wandle – dass ich darauf wiederum mit Sünde reagiere. Entweder indem ich total protzig, patzig irgendwie zurückschlage und sage, sowas kannst du mit mir nicht machen und bin böse, hasserfüllt oder voller Rache oder irgendsoetwas. Das ist Sünde, ja? Das wisst ihr, ja? Okay.

Oder aber vielleicht scheingeistlich a la Pharisäer-Natur: „Wie kann man nur? Wie kann man nur so etwas primitives tun wie ich das da gerade bei meinem Bruder sehe?“ Ich entrüste mich und das Entrüsten ist genauso sündig wie das, was der Bruder tut!

So, seine Sünde, wenn ich im Fleisch wandle, produziert auf meiner Seite wieder Sünde. Und dann ist er vielleicht darüber beleidigt oder schockiert oder gefrustet darüber, dass ich entrüstet bin – und so spielt man also Ping-Pong. So richtet man eine Ehe zugrunde, so zerstört man eine Atmosphäre in der Wohngemeinschaft, so geht es am Arbeitsplatz, so geht es in der Welt – die Sünde hat eine Kraft in sich, sich selber zu multiplizieren und zu vervielfältigen und das Leid in alle Ecken dieser Erde zu streuen.

Und wenn wir im Geist wandeln, dann durchbrechen wir dieses Ping-Pong Spiel, wir hören damit auf. Sondern wir werden jetzt welche, die Böses mit Gutem überwinden. Alle Welt kann nur Böses mit Bösem überwinden, und wenn sie noch so guten Einsatz dabei bringt – alles Getrennte von Gott, wenn es auch noch so schön sich anfühlt oder anschaut oder beeindruckend ist, ist letzten Endes ein Versuch der Selbsterlösung, wird wieder zu Stolz führen und zu noch schrecklicheren Dingen und es ist ein Versuch, das Böse mit Bösem zu überwinden.

Und nur wenn wir eben vom Geist geleitet werden und anfangen, anders zu reagieren, dann können wir wirklich zum allerersten Mal Teil von Gottes Antwort sein. Und wir lernen, das Böse mit Gutem zu überwinden. Damit habe ich gleich gesagt, dass „Wandel im Geist“ sehr, sehr viel mit Reaktionen zu tun hat.

Wir werden lernen, auf eine andere Art und Weise zu reagieren auf alle möglichen negativen Herausforderungen und Angriffe und Bedrängnisse usw., die das Leben in Hülle und Fülle bietet.

Und wenn wir verstehen, wie die Kraft Gottes in unser Leben kommt und wie wir dann spezifisch anders reagieren können, dann geschieht etwas ganz interessantes: Dann entdecken wir, dass aus den Schwierigkeiten, den Problemen, den negativen Dingen dieses Lebens sogar noch etwas Gutes kommen kann, weil wir daraus lernen.

Und das ist wichtig, dass wir eine solche positive Haltung haben: Ich kann aus allem, was da vorkommt und was in meinem Leben an Negativem da sich ereignet, ich kann mit Gottes Hilfe daraus etwas Gutes machen. Ich bin nicht ein Opfer der Umstände, das ist eines der schrecklichsten Lügen überhaupt: Wenn man sich so als ein hilfloses, kleines Opfer des Lebens so sieht. Das gebiehrt nichts anderes als Selbstmitleid und Depression und Traurigkeit und das wird keineswegs dazu führen, dass wir Menschen werden, die überwinden können. Wir können nicht überwinden, weil wir schon überwunden sind. Wir sind kein Opfer!

Und ich habe viele Menschen gesehen in der Seelsorge, die eine solche „Opfer-Mentalität“ haben. Und dahinter steht eine Haltung, die eben mit den Wahrheiten des Wortes Gottes eigentlich gar nicht vereinbar ist.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 6 – Wandel im Geist (10:00 bis 15:00)

 

„Wandel im Geist“ ist also das, was uns hier beschäftigen soll und weil Sünde oder das Fleisch „Lust bringt“, deswegen kann man schon sagen, Wandel im Geist muss einfach, weil es typisch ist für Gott, das Böse wird mit dem Guten überwunden und nicht, indem man das Böse bekämpft.

Viele, viele Christen haben eine Vorstellung, sie sind negativ fixiert und sie versuchen, das Böse zu bekämpfen, indem sie sich auf das Böse konzentrieren. Und das ist nicht die neutestamentliche Art und Weise. Du siehst viele Male: „Tut nicht mehr das“, aber dann geht’s weiter: „Sondern stattdessen …“.

Weil wir alle so angelegt sind, wir können nur das eine tun, und während wir das eine tun, können wir nicht automatisch das Gegenteil tun. Und wir versuchen manchmal etwas negatives abzustellen, indem wir uns konzentrieren auf das negative und versuchen, das Negative zu verhindern oder zu unterdrücken. Das ist nicht die Art wie Gott uns anleiten möchte, mit negativen Verhaltensweisen umzugehen. Sondern immer das Gegenteil suchen und uns dann darauf ausrichten, die positive Alternative zur Geltung zu bringen.

Okay, Paulus redet also von diesem großen Gegensatz hier – in diesem Galterbrief, aber auch an anderen Stellen – Fleisch und Geist.

Fleisch, sagte ich schon, ist das, was wir sind ohne den Herrn. Und das ist nicht sehr viel und das ist nicht sehr beeindruckend. Und unsere Umgebung stöhnt manchmal und sagt: „Herr, verändere ihn“. Und dann sitzen wir hier und hören „Wandel im Geist“. Hallelujah. Das ist die Antwort von Fürbitte von vielen. Preis dem Herrn.

Und „Geist“, damit ist nicht der Heilige Geist gemeint, sondern unser Geist. Das ist das, was wir sind aufgrund des stellvertretenden Leidens und Sterbens und der Auferstehung des Herrn. Geist ist das, was wir sind als neue Menschen, dem Geist nach, weil wir von neuem geboren sind.

Und das ist hat einen Konflikt miteinander, sagt uns der Galaterbrief. Fleisch ist gegen den Geist, aus einem Grunde: Um uns in einen Kampf zu verwickeln, damit wir nicht tun, sagt dort Paulus interessanterweise, was wir wollen.

Gal 5,17
Denn das Fleisch gelüstet gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; und diese widerstreben einander, sodass ihr nicht das tut, was ihr wollt.

Dieses Aufbegehren, dieses Stör-Manöver, dieses Behindern des Fleisches hat eigentlich nur ein Ziel: Uns abzuhalten zu tun, was wir wollen. Und das ist eine gewaltige Aussage. Das sagt nämlich, dass wir als Kinder Gottes so frei sein sollen, dass wir tun und lassen können, was wir wollen.

Das klingt sehr gefährlich, aber wenn wir verstehen, dass Gott vorher etwas in uns tut an Veränderung und unsere Wünsche, unser Verlangen, unsere Ziele usw. erneuert und verändert, dann ist das nicht gefährlich. Aber diese Freiheit ist für uns da! Dass wir tun können, das, was wir wollen. Und was uns daran hindert, ist das Fleisch.

Denkt an, was Jesus sagte: Der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach.

Mt 26,41b
Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.

Und oftmals betonen wir das in der verkehrten Weise: Der Geist ist willig, aber *das Fleisch (!) ist schwach(!)*.

Aber lasst uns das doch in einer anderen Weise betonen: Wir haben einen willigen Geist von Gott bekommen! Das ist einer der größten Offenbarungen, die du bekommen kannst über dich nach dem, was du jetzt im Geist bist. Paulus sagt: Wir kennen niemand mehr dem Fleische nach.

2Kor 5,16a
So kennen wir denn von nun an niemand mehr nach dem Fleisch

Und das ist das Problem: Wir kennen uns zu sehr „dem Fleische nach“. Und Fortschritte werden wir nur machen, wenn wir uns dem Geiste nach kennen.

Und wir brauchen Offenbarung: Wer sind wir? Was hat Gott uns gegeben? Wozu hat er uns befreit? Wozu hat er uns ausgestattet? Was ist eigentlich schon in uns hineingelegt?

Denn Wandel im Geist bedeutet nichts anderes, weil es ja das Gegenteil ist von „Wandel im Fleisch“ – es bedeutet nichts anderes als der neuen Natur, die wir ja geschenkt bekommen haben, fix und fertig, serienmäßig schon eingebaut, dieser neuen Natur in uns Raum zu geben. Wandel im Fleisch ist der alten Natur Raum zu geben, Wandel im Geist ist der neuen Natur Raum zu geben.

Und ohne dass ich jetzt zu sehr irgendwie das aufgreife, aber da gibt es ja eine ganze Reihe von Aussagen im Worte Gottes, die uns beschreiben, wer wir sind dem Geiste nach. Und eines der wichtigsten Aussagen, die uns ein neues Selbstbild geben können und die uns helfen können, aus dieser Verzweiflung über uns selbst auszusteigen – eine der wichtigsten Aussagen ist die: Wir sind durch Gottes Gnade gehorsam gemacht worden.

Röm 6,17
Gott aber sei Dank, dass ihr Sklaven der Sünde gewesen, nun aber von Herzen gehorsam geworden seid dem Vorbild der Lehre, das euch überliefert worden ist.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 6 – Wandel im Geist (5:00 bis 10:00)

 

Denn Werke des Fleisches – Zorn, Eifersucht, Neid, Streit, Unreinheit usw. – und all diese Verhaltensweisen kann man mit Leichtigkeit sich vorstellen, produzieren nichts anderes als Unglück. Sie produzieren nichts anderes als Unglück – für uns und vielleicht eher noch für den, der das zu erleiden hat – langfristig aber eben auch für uns.

Und vielleicht noch ein Gedanke dazu. Wir alle haben das, was eben die Bibel „Fleisch“ nennt, und das ist recht hoch entwickelt und sehr in Form und man muss sich nicht anstrengen, um diese Dinge zu produzieren – diese Werke des Fleisches. Man muss einfach nur sich gehen lassen, und der Rest kommt ganz von alleine.

Das ist deswegen wichtig, weil die Schrift sagt: So wie die Sünde geherrscht hat zum Tode, so soll auch die Gnade herrschen.

Röm 5,21a
damit, wie die Sünde geherrscht hat im Tod, so auch die Gnade herrsche …

Also wir haben nicht ein Leben vor uns in totaler Anstrengung und Zähne zusammenbeissen und ja nicht irgendwie locker sein und ja nicht irgendwie mal ein bisschen sich öffnen oder irgendwie sich nicht immer ständig kontrollieren. Sondern wir haben ein Leben in der Freiheit – ein Leben, wo in derselben überwältigenden Weise wie früher die Sünde geherrscht hat, so kann und soll jetzt auch die Gnade herrschen.

Genau so flächendeckend, genau so einfach unser Leben bestimmen. So kann die Gnade wirklich herrschen in unserem Leben, das ist möglich! Und viele Menschen haben bei diesem Thema „Charakterveränderung“ und Gehorsam, sie haben ein total verkehrtes Konzept und sie sehen lauter Verbote oder Gebote und sie sehen, also wenn ich mich nicht total zusammenreisse, wenn ich mich nicht ganz mächtig anstrenge, dann auf jeden Fall würde ich es nie schaffen.

Und hier kommt die gute Botschaft: Dieser Lebensstil, wo wir Gott gefallen, indem wir lernen nach dem Standard des Neuen Testamentes zu leben, dieser Lebensstil hat nichts mit Anstrengung zu tun – er hat nichts mit Anstrengung zu tun! Wir überwinden unsere alten Schwachstellen nicht durch krampfartige Einsätze unserer eigenen Kraft, das ist nicht die Art und Weise, wie wir in die Freiheit hineinkommen.

Sondern wie wir sehen werden, es ist ein Werk Gottes in uns. Gott motiviert uns und Gott befähigt uns und Gott selbst hilft uns, das allerwichtigste zu tun, es hat nichts mit Kraftanstrengung zu tun, aber auch gar nichts.

Okay, dann der nächste Punkte zum Thema „Fleisch“.

Galater 5,16 spricht von der „Lust des Fleisches“.

Gal 5,16
Ich sage aber: Wandelt im Geist, so werdet ihr die Lust des Fleisches nicht vollbringen.

Sünde ist deswegen ein Problem, weil sie ein gewisses Maß von Lust produziert. Und Menschen sündigen, Menschen geben dem Fleisch Raum, weil eben auf die Impulse des Fleisches einzugehen oder das Fleisch zum Einsatz zu bringen, dem Fleisch Raum zu geben eben „Lust abwirft“. Das ist das große Problem. Denn mit Leichtigkeit kann man sich vorstellen, dass man ja sündige Verhaltensweisen durchschauen kann und verstehen kann. Aber es ist kein Problem von mangelndem Verständnis, sondern Sünde ist ein Problem von mangelnder Motivation.

Und Paulus redet von der „Lust des Fleisches“ und er sagt, es gibt einen Lebensstil, der uns hilft, dass wir die Lust des Fleisches nicht erfüllen. Und eben nicht, indem wir sagen: „Naja, das bisschen Lust, was wir haben – typisch Gott – das müssen wir jetzt auch noch opfern, damit wir dann total frustriert und leer und erschöpft uns durch dieses Leben quälen“. Das ist nicht die Art und Weise, wie Gott uns entgegenkommt und wie Er uns motiviert zu dem neuen Lebensstil. Sondern Er tut es, indem Er uns bessere, schönere und größere Lust gibt!

Und das alles ist enthalten, und das werden wir entfalten in dieser Lektion hier, in diesem Begriff, in diesem Thema „Wandel im Geist“. Das ist ein Lebensstil, wo wir neue Lustquellen erschlossen bekommen, wo eine neue Inspiration in unser Leben kommt, wo wir motiviert werden durch Gottes Liebe, durch Gottes Güte, durch Gottes Bestätigung und Seine Kraft. Und das ist so stark, dass wir freiwillig, ohne dass wir uns dazu zwingen und dahinprügeln müssen oder uns etwas abkneifen müssen, befähigt werden, in neuer Weise Verhaltensweisen einzuüben und zu lernen und so eben auf lange Sicht gesehen einen anderen Charakter bekommen, einen wesentlich besseren – Preis dem Herrn!