Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 4 – Siegreich durch das Kreuz (65:00 bis 70:00)

 

Er ist doch nur an meiner Stelle dahingegangen! Wenn er da nicht hingegangen wäre, dann hätte ich da gehangen! Ja? Versteht ihr?

Seine Stellvertretung anzunehmen ist eine totale Kapitulation und ein Verurteilen unserer guten Anstrengungen und unserer eigenen moralischen Kraft. Wir können uns nicht erlösen, wir können nicht anständige Menschen sein. Das, was wir getan haben – vielleicht ein Schock für den einen oder anderen – du sagst: „Wieso? Ich war ein so netter Bankangestellter und so braver und freundlicher Reihenhausbesitzer. Du kannst meine Nachbarn rechts und links fragen, ich habe mir nie etwas zu schulden kommen lassen, mein Rasen stand immer auf 2,5 DIN und es war alles bei mir in Ordnung. Top. Also, da kann mir niemand was sagen. Das hat immer alles gestimmt bei mir und ich hatte die besten Beziehungen zu den Nachbarn, zu meiner Umgebung und einmal im Jahr hab ich was für die Caritas gespendet, es war alles tiptop“.

Wenn wir anerkennen, wir sind des Kreuzestodes schuldig, dann sagen wir damit: Es ist nichts zu holen bei uns. Wir sind nicht zu veredeln. Wir sind nicht zu verbessern. Wir brauchen nicht noch ein bisschen kleinen Unterricht und ein klein bisschen christliche Benimmschule und dann ist schon alles irgendwie prächtig. Sondern wir sagen damit: Bei uns ist Hopfen und Malz verloren, wir sind ein hoffnungsloser Fall.

Das sagen wir damit. Und die Kraft der Gnade, die Kraft der Erlösung, die Kraft des Kreuzes wird nur wirksam bei dem, der sich selbst verurteilt in diesem Sinne.

Nur bei dem, der zugibt, bei mir ist nichts zu holen. Und was ich getan habe, ist so schrecklich und so furchtbar, dass es die Todesstrafe mit Recht verdient.

Das war ein schockierender Augenblick als ich verstanden habe, zwischen mir und Adolf Hitler ist kein wesensmäßiger Unterschied. Das war ein schockierender Augenblick. Ich dachte, ich war Pazifist, ich konnte doch keinem Menschen, keiner Fliege was zu leide tun. Ich war doch ein ganz netter Mensch. Love and Peace war unser Motto.

Und Jesus sagt: Aus dem Herzen des Menschen kommen Mord, Unzucht, Unreinheit, Lüge und all das.

Mk 7
21 Denn von innen aus dem Herzen der Menschen kommen die bösen Gedanken hervor: Unzucht, Dieberei, Mord,
22 Ehebruch, Habsucht, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Neid, Lästerung, Hochmut, Torheit
23 alle diese bösen Dinge kommen von innen heraus und verunreinigen den Menschen.

Mt 15
19 Denn aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken: Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugnisse, Lästerungen;
20 diese Dinge sind es, die den Menschen verunreinigen, aber mit ungewaschenen Händen zu essen, verunreinigt den Menschen nicht.

Und ich dachte immer, Jesus sieht so global die Menschheit – da ist der Mörder, da ist der Ehebrecher und da ist der Lügner und da ist der sonstwas – und deswegen fasst er das irgendwie so zusammen und dann sagt er eben: Aus dem Herzen des Menschen kommen eben diese bösen Dinge. Das war meine Idee.

Und als der Herr sagte: „Nein, nein, ich rede von *deinem* Herzen!“ – das war etwas Interessantes. Schockierend, aber wenn wir die andere Wahrheit dazunehmen, dann auch sehr befreiend. Und dann hört es mit der Selbstgerechtigkeit auf und dass wir uns erheben über andere – „wir sind ja nicht so wie dieser Penner“ oder wie dieser sowieso oder wie dieser – sondern wir sind doch schon irgendwie ganz nette Menschen. Wir sind nichts ohne Gott!

Und das ist vielleicht eine der schwierigsten Wahrheiten zu akzeptieren oder zu verstehen. Und die Kraft der Erlösung wird wirksam wenn wir an der Stelle in die Wahrheit kommen. Und wenn du das nicht glaubst oder sagst, „nein, also so herbe und so krass, das tritt mir doch ein bisschen auf den Schlips und das wird meiner guten Schokoladenseite nicht gerecht“ – dann bitte den Heiligen Geist als Geist der Wahrheit dich auch an der Stelle zu führen und zu belehren. Und vielleicht brauchst du noch ein paar Wochen, ein paar Monate oder auch ein paar Jahre deines anständigen Kämpfens, und irgendwann wirst du sagen: „Recht hat er gehabt – bei mir ist nichts zu holen!“

Und das ist einerseits ein bisschen frustrierend, aber andererseits ganz schnell dann leitet es über eben in die neue hoffnungsvolle Wahrheit: „Ja, wenn bei mir nichts zu holen ist, dann brauche ich auch da nicht mehr zu suchen“. Und ich kann endlich aufhören aus eigener Kraft zu versuchen das neue Leben zu produzieren, das ist doch so anstrengend! Alle sind gut drauf, und ich muss so tun als wäre ich gut drauf – das ist doch schrecklich! Das ist doch ein totaler Stress.

Wir müssen nicht so tun als wären wir etwas, wir brauchen nur Erkenntnis, was wir wirklich sind und was wir nicht sind und dann einfach nur zustimmen und diesem Leben Raum geben, diesem herrlichen Leben in uns.

Übrigens, wer diese Schriftstelle hier sucht, Paulus war da total klar:

Röm 7,18a
Denn ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt

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