Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 6 – Wandel im Geist (65:00 bis 70:00)

 

Okay, also jetzt einige konkrete Punkte, wie wir denn diesem wunderbaren Heiligen Geist Raum geben können, wie wir Gemeinschaft haben können mit ihm.

Er ist zuallererst der Geist der Wahrheit. Ich habe das eigentlich vorhin schon indirekt angesprochen als ich über die Eigenschaften der neuen Natur gesprochen habe – wenn wir den Heiligen Geist erleben wollen und wenn er nun mal ein Geist der Wahrheit ist, dann bedeutet das, ich treffe eine Entscheidung: Ich will ein Leben führen gegründet in Wahrheit.

Ich will mein Leben ausrichten nach der Wahrheit des Wortes Gottes. Dann habe ich eine Entscheidung getroffen, die ihm ein Signal gibt, und er sagt, oh, das, was mir wichtig ist, ist auch ihm wichtig – und da kann er kommen, da kann er sich wohlfühlen. Er ist der Geist der Wahrheit.

Natürlich nicht in einem destruktiven, zerstörerischen oder asketischen Sinne irgendwie, „jawoll, was jetzt dran ist, ist die knallharte Wahrheit, jetzt setzen wir uns mal im Kreis, so wie so ein paar Psychogruppen, und dann werden wir uns knallhart einmal die Wahrheit sagen, was wir schon immer so gefühlt haben über den Bruder und die Schwester, und am Ende sind alle total verzweifelt und liegen alle am Boden und keiner traut mehr dem anderen und keiner weiß noch, ob er sich selber trauen kann.

Das ist nicht die Art und Weise, wie Gott therapiert. Die Therapie der Welt ist: Zerstöre die Persönlichkeit, und dann aus den Trümmern soll dann etwas neues geschaffen werden. Das ist nicht, wie Gott arbeitet.

Das allererste, wenn ich sage „Leben in Wahrheit“, ist, dass wir übernehmen, was Gott über uns sagt: Wir sind wunderbar. Wir sind seine geliebten Kinder. Wir sind wertvoll. Und das ist eine der härtesten Botschaften, habe ich empfunden über die letzten Jahre, die man nur predigen kann. „Wir sind wertvoll in Gottes Augen“.

Jes 43,4a
Weil du kostbar bist in meinen Augen, wertvoll für mich, und ich dich liebgewonnen habe

Und manches Mal in der Seelsorge, da habe ich gesagt: Weißt du, ich glaube, hier hilft nur noch eines: Du musst selbst Vater werden, ein paar Kinder in die Welt setzen, dann verstehst du, wovon ich hier rede.

Ein Vater hat einfach das in sich, eine große Liebe zu seinem Kind. Und diese Liebe ist nicht gekoppelt an was das Kind getan hat oder gelassen hat, sondern das ist einfach in seinem Vaterherz drin. Der Vater freut sich über seine Kinder. Und das ist eines der schwierigsten Dinge für manche Christen zu glauben – wenn sie zu Gott kommen, Ihn zu sehen als den, der mit offenen Armen steht: „Oh, mein Kind kommt zu mir, jawohl, komm, lass uns eine gute Zeit haben“.

Es gibt ganze Gemeinden, da sagt der Pastor, „lasst uns beten“ – und alle gehen in Deckung. „Hilfe, jetzt könnte Gott sich nahen“. Man verkriecht sich, man versteckt sich, man wird irgendwie förmlich, man zupft sich irgendwie innerlich zurecht. Man denkt, man muss jetzt irgendwas beeindruckendes tun.

Das ist ein total verkehrtes Konzept: Gott ist ein Vater. Und das beinhaltet, Er liebt mich – nicht, weil ich was getan oder gelassen habe, sondern weil Er der Vater ist. Das hat mit mir gar nichts zu tun – glücklicherweise.

Aber da ist diese Verbindung da bei uns zwischen Liebe und Werken. Und das muss durchbrochen werden, und das kann nur durch Wahrheit und das Wirken des Heiligen Geistes durchbrochen werden.

Dass wir die Erwartung an Gottes Liebe haben gemäß unserer Taten – und weil wir sehr genau Bescheid wissen über unsere Taten und unser Gewissen uns auch anklagt – deswegen ist das Maß unserer Erwartung wenn wir in die Gegenwart Gottes kommen nicht besonders groß.

Darüber werden wir später hören dann wenn wir über die Gerechtigkeit Gottes dann hören – das ist eigentlich ein Thema, was dann hier hineingehört. Okay, jetzt kann ich das nur nennen.

Also wir übernehmen, was Gott über uns sagt. Und nur wenn wir zu dieser Erkenntnis kommen, wir sind wirklich angenommen *für immer* – wegen Golgatha, wegen dessen, was Jesus getan hat, dann kommt dieses Vertrauen und dann kommt auch noch später ein zweiter Aspekt von Wahrheit dazu: Dass der Heilige Geist beginnt, uns einige Dinge zu zeigen aus unserem aktuellen Verhalten, unseren Haltungen usw. Aber er tut das niemals verdammend, sondern er tut das mit sehr viel Gnade und Freundlichkeit, und er macht uns klar: Wir sind angenommen, wir sind geliebt. Und dann teilt er uns mit und sagt: „Und an dieser Stelle werden wir jetzt arbeiten, mein Sohn/meine Tochter, und ich verspreche dir eines, wir werden dieses hässliche Ding herausbekommen aus deinem Leben“.

Und Gott ist konsequent und entschieden, aber nicht bedrohlich und bestrafend und ablehnend. Und das ist etwas, was wir verstehen müssen. Und was uns hindert, wirklich Gott voll zu akzeptieren als unseren Vater.

Also das allererste: Die Wahrheit des Wortes Gottes. Jesus sagt: Wir werden die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird uns frei machen.

Joh 8,32
und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.

Hallelujah. Die Wahrheit – die Wahrheit macht frei!

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 6 – Wandel im Geist (60:00 bis 65:00)

 

Und die Freude am Herrn ist unser Schutz oder unsere Bergfeste. Und lass es dir zu einer geistlichen Regel werden: Freude ist nicht etwas, was Gott sporadisch dir hin und wieder auf besonderen Konferenzen oder anderen geistlichen Höhepunkten irgendwie so gewähren will und du sollst das ganze Jahr über dann darauf hin leben, „oh, bald kommt wieder eine große Konferenz und dann wieder werde ich ein bisschen ermutigt werden und das gibt mir genügend Kraft wieder mich das ganze Jahr so durch zu schleppen“.

Das ist ein total verkehrtes Konzept! Sei da nicht so anspruchslos. Freude soll etwas sein, was uns kennzeichnet, was absolut notwendig ist und wenn wir unsere Freude verlieren, hat das Gründe! Jesus sagt: Niemand kann eure Freude von euch nehmen.

Joh 16,22
Auch ihr nun habt jetzt zwar Traurigkeit; aber ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen, und eure Freude nimmt niemand von euch.

Nur einer: Du selbst.

Und wenn wir unsere Freude verloren haben und merken, alles wird schwer und zäh und wir quälen uns nur noch zu den Versammlungen, dann sollten wir unbedingt die Notbremse ziehen und ein bisschen Fasten und Beten einschieben und sagen: Wo bin ich abgeirrt vom Weg? Wo habe ich angefangen, irgendwas eigenes zu machen, aber nicht mehr das, was Gott von mir wollte?

Diese Freude, die einfach Gott in uns hineinlegt, ist etwas, was konstant da sein soll um uns zu motivieren. Und es kommt durch den Heiligen Geist. Der Heilige Geist bringt diese Freude. Der Heilige Geist bringt die Liebe. Der Heilige Geist bringt das Wertgefühl. Niemand kann glücklich leben, der nicht ganz tief in sich drin weiß, ich bin wertvoll – egal, was mein Lehrer sagt – ich bin wertvoll. Ich weiß das! Und das ist schön für mich, und das wirft etwas ab.

All diese verschiedenen Segnungen sollen in unser Leben hineinkommen. Und sie kommen durch den Heiligen Geist zustande. Wir müssen ihn nicht überreden, das zu tun. Er tut das von dem Moment an, wo wir ihm das erlauben. Denn das schöne ist: Er liebt uns mehr als wir uns lieben. Das ist das schöne. Er liebt uns mehr als wir uns selbst lieben.

Wir müssen nicht den Heiligen Geist überreden, uns ein bisschen wohl zu tun. Wir müssen nur lernen, wie wir ihm Raum geben können und dann aufhören, ihn zu behindern. Die Bibel redet sehr wohl davon, dass wir ihn behindern können. Z.B. Eph 4,30 – später kommen wir noch dazu.

Eph 4,30a
Und betrübt nicht den Heiligen Geist Gottes

Aller Zorn, Grimm, Bitterkeit, Wut und Lästerung sei ferne von euch, samt aller Bosheit.

Eph 4,31
Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung sei von euch weggetan, samt aller Bosheit!

Das sind Verhaltensweisen, die betrüben den Heiligen Geist. Und „betrüben“, das habe ich früher nie verstanden, ehe ich ein bisschen mehr persönlich den Heiligen Geist kennengelernt habe, „betrüben“ bedeutet nicht, dass er sagt, du hast das gegen mich getan, jetzt mag ich nicht mehr – und dann dreht er sich um und schmollt und sitzt in der Ecke und sagt, ich spiel nicht mehr mit dir – oder so etwas.

Sondern ich betrübe den Heiligen Geist durch bestimmte negative Verhaltensweisen. Interessanterweise gar nicht mal ihm gegenüber, sondern Menschen meiner Umgebung gegenüber.

Hast du schon mal gemerkt, die meisten Gläubigen haben mit Gott gar keine Probleme – sie haben nur Probleme mit den anderen Gläubigen? Und unsere Probleme mit den anderen haben sehr viel zu tun mit unserer Beziehung zu Gott, sehr viel! Da ist eine Verbindung.

Und Gott sagt manches mal: Willst du näher zu mir, dann ändere bestimmte Dinge in deiner Ehe, ändere bestimmte Dinge in deinem Leben, wie du mit deinen Geschwistern umgehst. Und dann kann Gott sich auch mehr uns nahen.

Wir betrüben den Heiligen Geist wenn wir durch bestimmte Verhaltensweisen ihn hindern uns zu segnen. Und weil er uns so lieb hat, weil er so gerne uns erfüllen möchte, erfrischen möchte, segnen möchte – gestern waren wir als Gemeindeleitung zusammen und wir haben eine schöne Zeit gehabt im Heiligen Geist. Und wir waren nicht sehr amtlich und sehr würdevoll, sondern wir haben hier teilweise auf dem Boden rumgekullert und wir haben gelacht und uns gefreut und es war wirklich sehr erfrischend und sehr glaubensstärkend.

Der Heilige Geist will uns dienen, er will uns wirklich erfrischen.

Und wenn er das nicht kann, wenn wir Mauern aufbauen, wenn er von uns gehindert wird, eben durch Zorn, Bitterkeit, Grimm usw. – dann ist er traurig darüber, dass er seinem Verlangen, uns Gutes zu tun nicht Ausdruck geben kann. Das betrübt ihn, und er muss sich zurückziehen bis wir das einsehen, bis wir eben erkennen, was da schiefgelaufen ist und das wieder zurücknehmen, um Vergebung bitten und dann ihm wieder Gelegenheit geben.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 6 – Wandel im Geist (55:00 bis 60:00)

 

Und ich will einfach anhand von einigen Eigenschaften des Heiligen Geistes das zeigen, wie wir dem Heiligen Geist Raum geben können. Und sobald wir ihm Raum geben, fängt er an, uns zu segnen, fängt er an, uns zu dienen, fängt er an, einfach uns das zu geben, was wir uns selber nicht geben können.

Was gibt uns der Heilige Geist? Er gibt uns, wie eben schon gesagt, die Kraft, aber auch andere wichtige Dinge. Er bringt uns Liebe.

Das ist die Aufgabe des Heiligen Geistes, uns die Liebe Gottes zu bringen. Röm 5,5 – die Liebe Gottes ist ausgegossen in unser Herz durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist.

Röm 5,5
die Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben worden ist.

Der Heilige Geist will uns die Liebe Gottes bringen. Und wenn wir die Liebe Gottes nicht auf einer regelmäßigen Basis erleben, dann bleibt uns nur eines übrig: Uns zu zwingen, uns anzustrengen, um mir eigener Kraft dann eisern den Menschen von Disziplin und von eisernem Willen und Durchhalteparolen irgendwie und Pflichtbewusstsein uns irgendwie durchs christliche Leben zu schleppen. Das mag vielleicht auch gehen, aber etwas wirst du nicht haben: Wirkliche Erfüllung und wirkliche Freude. Das wirst du dabei nicht haben.

Und das wäre ganz, ganz schade, weil das ist ausgemachter Wille Gottes, dass du die Freude Gottes erleben sollst.

Neh 8,10b
Die Freude am Herrn ist eure Stärke.

Oder „euer Schutz“. Und in der Fußnote kannst du sogar lesen, jedenfalls wenn du eine Elberfelder Bibel hast, „ist eine Bergfeste“. Die Freude am Herrn ist eine Bergfeste. Was für ein starkes Wort. Eine Bergfeste. Ich weiß nicht, ob du früher auch gerne so Ritterfilme gesehen hast oder so, ja? Aber wenn du das mal gesehen hast, dann weißt du, eine Festung, die in den Bergen ist, kann gegen Feinde, die notwendigerweise von unten kommen müssen – von oben können sie ja nicht kommen – leicht verteidigt werden. Es ist leicht, eine Festung oben auf dem Berg zu verteidigen. Weil der Feind muss von unten kommen und du bist oben. Und du bist von vornherein überlegen. Und ihr Lieben, das ist ein Bild für den Kampf des Glaubens, den wir haben. Viele Christen versuchen zu kämpfen, um Sieg zu haben. Und das wird niemals funktionieren, weil das nicht der Kampf des Glaubens ist. Der Kampf des Glaubens ist: Gott gibt uns den Sieg, und jetzt stehen wir in dem Sieg.

Wir halten gegen alle Bedrängnis einfach diesen Sieg fest – das ist der Kampf des Glaubens. Es ist ein Kampf, den wir kämpfen, um den Sieg aufrecht zu erhalten. Und jedes Nachgeben in Entmutigung, in Enttäuschtsein, in Wut, in Zorn, in Rebellion, in Schmollen, in „ich mag nicht mehr“, „ach, mir ist alles egal, lasst mich in Ruhe“ und dergleichen mehr – all dieses Nachgeben auf diese Art von negativen Gefühlen, die dein Nachbar so wenig schätzt an dir, all diese Dinge bedeuten, dass wir den Kampf aufgeben.

Entmutigung, „sich hängen lassen“, „sich gehen lassen“ ist Aufgeben dieses Kampfes. Der Kampf ist ein Kampf um den Sieg, den wir schon haben, festzuhalten. Deswegen passt das so schön zu diesem Bild, dass die Freude am Herrn eine Bergfeste ist. Und dann kommen die Feinde von unten, und wir sind sehr locker. Wir wissen, die Mauer unserer Festung ist sehr, sehr, sehr hoch. Und wir haben viele Möglichkeiten, uns vor den herannahenden Feinden zu wehren. Und wir können gelassen von der Mauer herabschauen wenn sie kommen. Vielleicht kommen sie in der Nacht und legen eine Leiter an und krabbeln dann hoch – das macht weiter nichts, weil wenn sie erstmal nur auf der Hälfte der Leiter sind, dann nehmen wir nur unseren kleinen Hacken und dann geben wir der Leiter eine kleine Bewegung nach hinten und dann fällt die Leiter um. Das ist nicht eine riesige Kraftanstrengung, wo du sagst: „Oh, meine Güte, müssen wir heute wieder die Feinde abwehren“. Jedes kleine Kind kann das tun!

Oder das nächste Mal hältst du ein paar Eimer mit heißem Wasser oder heißem Pech oder anderen Utensilien – große Steine, hältst du parat auf deiner Mauer, die kannst du auch schon auf die Zinnen legen. Dann kommt der Feind, und dann wiederum mit deinem bewährten Hacken – eine kleine Bewegung nach vorne und dann rollt dein Steinchen nach unten und das war’s. Also eine Festung in den Bergen ist leicht zu verteidigen, das will ich damit sagen.