Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 7 – Gottes Gerechtigkeit (10:00 bis 15:00)

 

Aber erstmal, das ist, was da geschieht: Wir kommen in die Gegenwart Gottes – und bei niemandem läuft das so bewusst ab, ja? Aber wer nicht frei ist vom Gesetz und wirklich in diese Gnadenfreiheit entlassen ist, ist unter dem Gesetz. Davon muss man wirklich ausgehen. Und man kommt dann mit einer totalen Konzentration auf sich selbst, weil ja der Lohn, den wir erwarten, in direkter Proportion ist zu dem „brav sein“, zu dem „gehorsam sein“, zu den Dingen, die wir getan haben.

Und da ist das Problem: Wir sind auf uns bezogen, wir schauen auf uns. Unser ganzes Vertrauen sind ja auch unsere Werke und jetzt kommen wir in die Gegenwart Gottes, und je näher wir kommen, Gott ist Wahrheit und da ist Licht, sehen wir erstens dass das, was wir an Gutem da vorbringen wollen, gar nicht so viel ist. Das vermindert unsere Erwartung schon beträchtlich. Dann ein zweites Problem: Wir sehen auf einmal nicht nur die Dinge, die wir getan haben und die wir auch tun sollten, sondern weil wir ins Licht kommen, wir sehen die vielen Dinge, die wir hätten tun sollen und nicht getan haben.

Und das vermindert unsere Erwartung an Gott noch mal ganz dramatisch. Und am Ende kann dann dabei herauskommen, dass es überhaupt keine Freude gibt, in die Gegenwart Gottes zu kommen. Weil da so viel Dinge sind, die auf einmal uns bewusst werden an Versäumnissen, an Sachen, die wir nicht getan haben, die uns anklagen. Eben dieses Problem der Verdammnis, der Schuldgefühle – wir fühlen uns angeklagt, dass am Schluss dann kaum noch etwas wirklich übrig bleibt, was wir tatsächlich erwarten können.

Im Alten Tesament wird diese Gerechtigkeit so ausgedrückt – bzw. Paulus zitiert es dann in Röm 10,5.

Röm 10,5
Denn Mose beschreibt die Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz ist: „Der Mensch, der diese Dinge getan hat, wird durch sie leben.“ (3. Mose 18,5)

Der Mensch, der das Gesetz erfüllt, wird durch die Erfüllung des Gesetzes leben. Mit anderen Worten: Die Kurzformel des Gesetzes ist die: Tu all das, und dann wirst du leben.

Und das Problem ist, wir kommen nie zu diesem schönen Punkt, wie er in der Werbung beschrieben wird: „wenn alles getan ist“. Und wenn sie dann so ganz entspannt so nach Hause gehen. Wir kommen nie zu dem Punkt, wo wir ehrlich sagen können: Okay, wir haben wirklich getan, was wir hätten tun sollen. Wir kommen niemals zu diesem Punkt. Und stattdessen kommen wir dann zu Verdammnis, zu diesem Gefühl zu kurz gegriffen zu haben, nicht das gebracht zu haben, was wir hätten bringen sollen. Und das bringt dann diese Schuldgefühle, diese Minderwertigkeit und diese Unsicherheit in unsere Beziehung zu Gott.

Wer die Dinge des Gesetzes getan hat, der wird durch sie leben. Aber wir kommen nie zu dem Punkt, dass wir alles getan haben. Das ist das Problem des Gesetzes. Und darum hat Gott eine bessere Lösung dann geschaffen, eine Alternative zur Gerechtigkeit aus dem Gesetz.

Und das ist die Gerechtigkeit eben aus der Gnade, wo es nicht um unsere Werke geht, sondern wo es eine Alternative für die Werke gibt. Röm 4,5 redet dann davon.

Röm 4,5
Dem dagegen, der nicht Werke tut, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet

Dem einen – also nochmal Röm 4,4 – werden die Werke zur Gerechtigkeit gerechnet – und dem anderen wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet. Der Glaube ist also die Alternative oder der Ersatz für die Werke.

Und es ist der Glaube an den, der den Gottlosen rechtfertigt, das ist unser Herr. Und unser Glaube wird uns angerechnet als hätten wir die Gerechtigkeit erfüllt. Der Glaube wird uns angerechnet als hätten wir die Gerechtigkeit erfüllt. Und der an den wir glauben, das ist eben Jesus, unser Stellvertreter, der der erste und der einzige Mensch war, der in tadelloser Weise das Gesetz erfüllt hat. Jesus hat das Gesetz erfüllt und er ist unser Stellvertreter. Nicht nur, wie manche meinen, am Kreuz – natürlich, das ist das zentrale – er ist unser Stellvertreter am Kreuz, er hat unsere Strafe, unsere Schuld auf sich genommen und deswegen sind wir dann frei vor Gott von Strafe und von Schuld.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 7 – Gottes Gerechtigkeit (5:00 bis 10:00)

 

Aber im Neuen Testament – Gerechtigkeit – wenn Paulus diesen Begriff gebraucht, dann fast immer redet er von unserem Status vor Gott, von unserer Beziehung vor Gott oder von der Grundlage unserer Beziehung vor Gott. Wenn jemand vor Gott gerecht ist, dann ist er unanschuldbar, unanklagbar und eben rein vor Gott. Und er hat einen Stand, dass er Gott gefällt. Das ist so vielleicht mit meinen Worten dieser Punkt von „Gerechtigkeit“.

Und es gibt beschrieben im Worte Gottes und dann hauptsächlich wird das eben hervorgehoben im Neuen Testament, nur zwei Wege wie man zu diesem Punkt der Gerechtigkeit vor Gott kommt. Nur zwei. Und entweder wir beschreiten den einen oder den anderen, es gibt nur zwei Wege zu einem gerechten Stand vor Gott zu kommen, wo Gott uns akzeptiert und total bejaht und wo wir sozusagen nicht anklagbar sind und nicht angeklagt werden und demzufolge eben auch Frieden haben mit Gott. Und nur wer Frieden hat mit Gott kann auch die Liebe Gottes erleben. Und das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt, dass wir tatsächlich dahin kommen, was für viele Gläubige ein echtes Problem ist: Die Liebe Gottes wirklich zu fühlen und zu erleben und zu genießen. Das ist ein Bereich, der sehr große Bedeutung hat und an dem sehr, sehr viele Gläubige echten Mangel haben. Sie wissen das theoretisch und sie wissen, sie sollten das glauben – sie glauben das auch irgendwie, aber sie erleben relativ wenig in diesem Bereich, was also die persönliche Zuwendung von Gott angeht. Und ich glaube, dass das zusammenhängt eben mit dem, was ich hier heute lehren will über die Gerechtigkeit und unseren Weg zur Gerechtigkeit.

Wenn wir uns Römer 4 anschauen, dann ist da der erste Weg zur Gerechtigkeit beschrieben. Ich les einmal den Text dort vor.

Röm 4,4
Dem aber, der Werke tut1, wird der Lohn nicht angerechnet nach Gnade, sondern nach Schuldigkeit.

Das klingt ein bisschen theoretisch, aber was damit gemeint ist, ist, jemand tut bestimmte Werke, die er auch tun soll, die in sich auch richtig sind, aber er setzt sein Vertrauen auf die Werke und deswegen ist das, was er an Lohn bekommt, wirklich ein Lohn im Sinne von einer Bezahlung für das, was er getan hat. Und das ist eben nicht Gnade. Das heißt, mit den Werken, die er dann sozusagen vor Gott bringt, klagt er sein Recht ein, jetzt eben entsprechende Belohnung zu bekommen.

Diesen Weg der eigenen Werke nennt die Bibel eben die Gerechtigkeit aus dem Gesetz – eben als Gegensatz von Gnade. Gesetz oder Gnade – wir sind entweder unter dem Gesetz oder unter der Gnade. Entweder haben wir unsere eigene Gerechtigkeit oder wir haben eben die Gerechtigkeit, die Gott hat für uns.

Aber lasst mich noch ein bisschen bei der bleiben, dass wir die ein bisschen besser verstehen. Es wäre töricht zu meinen, ja, im Alten Testament, das war die Gerechtigkeit, die sie hatten, heute leben wir im Neuen Testament und jetzt automatisch hätten wir die Gerechtigkeit aus Gnade. Das wäre schön wenn es so wäre, aber leider ist es so, dass viele mit neutestamentlichen Geboten und sogar mit Verheißungen und Verhaltensmaßregeln versuchen, eine Gerechtigkeit sich selber zu schaffen, die eigentlich wenn man sie anschaut total alttestamentlich ist, die total eben nach der Art und Weise des Gesetzes ist.

Das Problem beim Gesetz oder bei den Werken aus dem Gesetz ist eben dieses, dass man den Lohn, sagen wir mal jetzt eben dieses „Angenommen sein“ von Gott, die Liebe Gottes, den Segen – dass wir das bekommen aufgrund unserer Werke. Da liegt das Hauptproblem. Das bedeutet nämlich, dass wir ständig mit uns selbst beschäftigt sind, dass wir ständig auf uns schauen. Wenn wir in die Gegenwart Gottes kommen, wir erwarten ja Lohn gemäß dem Maß unserer Werke.

Das klingt noch alles ein bisschen theoretisch, schaut mich nicht so ratlos an, das kommt alles noch, ja? Es wird noch ein bisschen griffiger werden.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 7 – Gottes Gerechtigkeit (0:00 bis 5:00)

 

So, jetzt möchte ich euch ganz herzlich begrüßen hier zur Fortsetzung von Grundlagen. Das letzte Mal haben wir gesprochen über Wandel im Geist. Ich müsste noch so viel dazu sagen, aber wenigstens zur Wiederholung oder zur Abrundung dessen, was ich da gesagt hab, will ich noch ein paar Sätze dazu sagen. Der Hauptpunkt bei Wandel im Geist ist der, dass wir lernen dem Heiligen Geist so Raum zu geben durch bestimmte Verhaltensweisen, durch bestimmte Reaktionsweisen auf unserer Seite, dass er ungehindert uns dienen kann und dass er eben all das, was wir brauchen für den Bedarf unserer Seele uns wirklich zukommen lassen kann an Gutem. Und einer der Hauptpunkte dabei war dann zum Schluss, der etwas zu kurz gekommen ist, deswegen erwähne ich es lieber nochmal: Dieser Lebensstil der Anbetung.

Der entscheidende Punkt dabei ist der, dass wir es vom Wort her sehen und dass wir uns selber dazu festlegen. Egal wie wir uns fühlen, egal wie es uns geht, egal wie die Umstände sind, wir wollen allzeit wirklich den Herrn preisen.

Und diese Festlegung, die wir auch bei David sehen können. An einer Stelle sagt er sogar, dass er ein Gelübde gemacht hat.

Ps 61,9
So werde ich deinen Namen besingen immerdar; um damit meine Gelübde zu erfüllen Tag für Tag.

Ein Gelübde, jeden Tag diesen Namen des Herrn zu preisen. Und manche andere Schriftstellen bei ihm auch betonen das sehr stark, diese Konstanz. Und nur wenn wir zu diesem Punkt der Hingabe kommen, dann lernen wir den alten Verhaltensmustern von Auflehnung, Aufbegehren, Rebellion, Schmollen, uns ungerecht behandelt fühlen, undankbar sein, negativ sein, traurig sein, entmutigt sein usw., was dir noch alles einfällt, dem zu entfliehen. Nur auf diese Art und Weise, indem wir uns festlegen, wir preisen den Herrn egal was los ist. So kommt der Strom des Heiligen Geistes und wir lernen uns nicht diesen heillosen, unguten Gefühlen zu überlassen.

Und das hat gewaltige Segnungen dann für uns. Und die Seele kommt unter den Einfluss des Wortes und unter den Einfluss des Heiligen Geistes und unseres Geistes und da kommt viel, viel Stabilität dann hinein.

Und ein Sonderpunkt, eigentlich von Wandel im Geist ein Unterpunkt will ich dann heute noch bringen, indem ich also hier über etwas spreche, was ich schon kurz erwähnt habe in der vorigen Lektion. Und zwar geht es um diesen Punkt der Sündenvergebung und des Lebens in ständiger Sündenvergebung. Wahrscheinlich dieser Bereich von Schuldgefühle, sich minderwertig fühlen vor Gott, Angst haben vor Gott, Angst vor Gottes Gericht, Angst vor Strafe, das ist wahrscheinlich so der Hauptpunkt, der uns hindert, die Liebe Gottes wirklich regelmäßig zu empfangen. Das ist eines der größten Probleme, die wir haben, die auch im Worte Gottes, im Neuen Testament sehr stark vorkommen und behandelt werden. Und die Antwort eben auf diese Blockade – Angst, Minderwertigkeit, Angst vor Strafe usw. – die finden wir also in der sogenannten Lehre von der Gerechtigkeit.

Das ist ein so wichtiges Thema, dass du – ich hab’s nicht genau gezählt – aber vielleicht sogar mehr darüber findest in den Schriften von Paulus als über das Thema Sünde. Ein sehr, sehr wichtiges Thema für den neutestamentlichen Christen. Und zwar geht es da um die Grundlage unserer Beziehung zu Gott. Gerechtigkeit hat zwei verschiedene Ebenen: Im Alten Testament sehen wir überwiegend Gerechtigkeit definiert im Sinne von gerechter Lebensstil, Dinge, die sichtbar sind nach außen, die ein anderer sehen kann. Und das ist eine sehr, sehr wichtige Ebene.

Aber im Neuen Testament sehen wir eine vorgeschaltete andere Ebene, die zunächst einmal dran ist. Und nur wenn die wirklich geklärt ist, dann wird auch diese Frage des Lebensstils , des gerechten Lebensstils mit seinen Früchten, wie er beschrieben wird, dann auch richtig gelöst werden können.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 6 – Wandel im Geist (85:00 bis Ende)

 

Das wäre total unecht und krampfig. Lasst uns sagen: Heiliger Geist, wo habe ich versagt? Wo bin ich gefallen, wo habe ich dich betrübt?

Die richtige Frage zu stellen, heisst auch von ihm die richtige Antwort zu bekommen. Und er wird dir sagen: Du erinnerst dich eben noch vor 10 Minuten wie du Schwester Bertha angeschaut hast? Da war Gift und Galle in deinen Blicken und du hast das ausgedrückt: Das, was du letzten Sonntag mir angetan hast, werde ich dir nie vergessen. Und drehst dich um, und da ist Anklage und Bestrafung und Bitterkeit und alles zusammen drin und damit hast du den Heiligen Geist betrübt.

Und wenn wir Abstürze haben, eben noch sind wir ganz mächtig drauf und geistlich gesalbt und dann auf einmal sind wir total unten und mies drauf – dann lasst uns den Heiligen Geist fragen: Was ist los? Was haben wir gemacht?

Wir können mehr oder weniger voll Geistes sein. Mehr oder weniger. Und Paulus rät uns immer wieder voll des Geistes zu sein. Voll ist voll – nicht halb voll. Und dann kommt dieses schöne Wort hier: „indem“.

Eph 5
19 indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn mit eurem Herzen13 singt und spielt!
20 Sagt allezeit für alles dem Gott und Vater Dank im Namen unseres Herrn Jesus Christus!

Ein Lebensstil der Anbetung, ununterbrochen, egal wie wir uns fühlen, egal, was passiert ist, egal, in welch tiefes Loch wir gefallen sind, wird uns helfen. Und wir können dort lernen von David, der sich festgelegt hat: Ich will den Herrn allezeit preisen.

Ps 34,2
Den HERRN will ich preisen allezeit, beständig soll sein Lob in meinem Munde sein.

Jeden Tag. Und er sagt: Damit will ich meine Gelübde erfüllen.

Ps 61,9
So werde ich deinen Namen besingen immerdar; um damit meine Gelübde zu erfüllen Tag für Tag.

Er hat offensichtlich ein Gelübde getan, immer und fortwährend den Namen des Herrn zu erheben.

Und wenn wir solche, aus Einsicht, weil wir verstehen, wie wichtig das ist für uns und wieviel Gelegenheit Gott das gibt uns zu segnen, wenn wir uns entscheiden, einen Lebensstil der Anbetung zu führen, dann ist da ein Kanal für Gott zu kommen, uns zu dienen, uns zu überführen, uns zu verändern, zu uns zu reden, weil Anbetung und Dankbarkeit ist Abschied von Rebellion und all diesen anderen Selbsthilfemaßnahmen. Wir können nicht Gott preisen und in der Rebellion bleiben. Entweder wir bleiben in der Rebellion, dann werden wir nicht Gott preisen oder wir preisen Gott und wir werden die Rebellion verabschieden.

Und so hat Gott also Handlungsanweisungen gegeben, die uns helfen, aus den Verstrickungen und den Verwundungen und Turbulenzen unserer Seele immer wieder herauszukommen und so zu lernen unsere Seele durch einen Strom des Heiligen Geistes in der Anbetung, in der Dankbarkeit zu stabilisieren. Und von da an dann, wenn wir das gelernt haben, fangen Charakterveränderungen an.

Ich glaube, hier ist jetzt die Zeit zuende, okay, also danke schön.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 6 – Wandel im Geist (80:00 bis 85:00)

 

Und diese Schwester sagt: Lass uns jetzt den Herrn preisen.

Ich dachte, sie tröstet mich.

Das war eines der schrecklichsten Momente meines Lebens, aber auch einer der gesegnetsten, wie ich später festgestellt habe. Ich wusste, sie hat total recht, ich wusste, dies ist die Stunde anzuwenden, was ich immer so großspurig gelehrt hatte und doch in mir war alles auf Rebellion oder „ich kann jetzt nicht“ oder „das kann man von mir nicht erwarten“ oder „das wäre jetzt nicht echt“.

Ja, so kann man auch reagieren. „Ich könnte jetzt den Herrn preisen, aber das wäre nicht von Herzen, das wäre nicht echt“. Wir haben überhaupt keine Ahnung, was unser Herz ist!

Nun, ich wusste, ich will das nicht, was sie jetzt von mir will und was das Wort Gottes von mir will. Das wusste ich ganz genau. Und ich wusste aber auch, und das war eine schreckliche Erkenntnis für mich, wenn ich mich hier verweigere, diesen geschwisterlichen weisen Rat zu folgen und wenn ich jetzt nicht tue, was ich selber gelehrt habe, Gott entzieht mir das Mandat vor dieser Gruppe oder überhaupt irgendwo anders jemals wieder das Wort Gottes zu lehren.

Und das war genauso schrecklich, weil ich wusste, ich habe ein Berufung, das Wort zu bringen. Und so dachte ich, die Lösung besteht darin, gar nichts zu tun.

Aber sich zu verweigern, auch ohne Worte, ist ein klares „Nein“. Sich zu verweigern, dem Gehorsam, ist ein klares „Nein“. Ob du das mit Worten ausdrückst oder nicht. Und ich wollte weggehen und ich dachte, wenn ich jetzt weggehe habe ich das Problem gelöst, aber dann dachte ich: Halt, doch nicht wirklich. Dann habe ich meine Berufung kaputt gemacht und verfehlt.

Und irgendwann hab ich gedacht, es hilft alles nichts, sie hat recht, ich weiß, dass sie recht hat, ich weiss, dass ich diese Gefühle nicht haben sollte, ich werde sie nicht los, ich hab gesagt: Herr, nimm mir doch diese schreckliche Wut weg und nimm mir doch das alles weg – und Er sagt: „Ja, preise mich“.

Alles wollte ich – nur das nicht! Und das ist das typische Verhaltensmuster vom Bruder Rebellus. Er will nicht den Herrn preisen. Warum? Weil wir wissen ganz genau, wir können nicht festhalten an Schmollen, uns ungerecht behandelt fühlen und Wut und Zorn und all dem Rest von diesen negativen Dingen – wir können nicht daran festhalten und gleichzeitig beginnen, den Herrn zu preisen. Entweder das eine oder das andere. Rebellion ist eine Verweigerung wie Paulus das sagt im Römerbrief, die Verweigerung, Gott die Ehre zu geben.

Röm 1,21
Denn obwohl sie Gott erkannten, haben sie ihm nicht die Ehre gegeben, die Gott gebührt, noch ihm Dank gesagt, sondern sie verfielen mit ihren Gedanken dem Nichtigen, und ihr unverständiges Herz verfinsterte sich.

Und also ist auch Gott die Ehre zu geben die Therapie und die Lösung für Rebellion. Und wir haben niemals eine solche Situation der Verwundung, der Verletztheit, der Enttäuschung, der Bitterkeit, die so tief wäre, dass wir nicht uns abwenden könnten und könnten beginnen, Gott zu preisen.

Und das ist, wovon Paulus hier spricht in diesen Versen.

Eph 5,15
Seht nun genau zu, wie ihr wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise!

Jetzt Vers 18.

Eph 5,18
Und berauscht euch nicht mit Wein, worin Ausschweifung ist, sondern werdet voller Geist

Die griechische Konstruktion ist dort: Werdet immer wieder, ununterbrochen, immer wieder neu voll Geistes.

Das ist eine interessante Formulierung: Also wiewohl der Heilige Geist natürlich sich nicht ändert – das Maß dessen, was wir von ihm erleben, kann sich sehr wohl ändern. Man kann eine Zeit haben zu Hause mit Gott und ist wunderbar ermutigt und dann kommt man in die Gemeinde und plötzlich nach 10 Minuten stellt man fest, man ist irgendwie total mies drauf.

Und dann gebe ich den guten Rat: Finde mit dem Heiligen Geist heraus, was passiert ist, irgendwo zwischen Zuhause und der Gemeinde ist etwas passiert, du hast auf eine Art und Weise reagiert wie du nicht hättest reagieren brauchen und sollen und du hast eine Talfahrt gemacht.

Wie groß muss das Loch im Fahrradreifen sein bis alle Luft rausgeht? Ein ganz kleines Loch genügt! Eine Reisszwecke genügt.

Und geistlich denken wir, naja, was kann schon eine Reisszwecke machen? Zugegeben, da hab ich eben Schwester Bertha getroffen und die mag ich nun überhaupt nicht und dann hab ich provokativ – püh – ihr den Rücken zugedreht und hab mich dann auf meinen Platz gesetzt, aber was kann eine kleine Reisszwecke denn schon bei einem so mächtig voll Geistes Menschen irgendwie wie bei mir ausrichten?!

Nun, genau das selbe wie bei einem Fahrradschlauch! Eine kleine Reisszwecke – pffffffff – und die Luft ist draussen.

Und wenn wir einen gefühlsmäßigen Absturz haben, lasst uns nicht einfach nur den Deckel drauftun und sagen: „Ich widerstehe dem im Namen Jesu, ich bin jetzt wieder gut drauf, ich bin gut drauf und Gott ist mit mir, allezeit Sieg“ oder so etwas.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 6 – Wandel im Geist (75:00 bis 80:00)

 

Und es ging mir gut, es ging mir blendend. Tagelang, manchmal wochenlang. Und dann innerhalb von einer halben Stunde, von dieser herrlichen Höhe stürzte ich ab, und war ganz unten, wusste nicht mehr, ob ich errettet bin und ob Gott mich überhaupt mit Namen kennt und ob das alles nicht eine Einbildung gewesen ist usw.

Und das Dumme war, wenn ich unten war, ich wusste nicht, warum bin ich von diesen herrlichen Höhen heruntergefallen und was könnte ich tun, um wieder nach oben zu kommen. Ich wusste das nicht.

Also hab ich gedacht, das ist so wie auf der Wetterkarte. Ein Hoch wird von einem Tief abgelöst und jetzt hab ich ein geistliches Tief. Hast du schon mal gehört, diesen Audruck? Ein geistliches Tief?

Was für ein Unsinn, wo steht das im Wort? Sowas gibt es überhaupt nicht. Allezeit Sieg in Christus.

2 Kor 2,14
Gott aber sei Dank, der uns allezeit im Triumphzug umherführt in Christus und den Geruch seiner Erkenntnis an jedem Ort durch uns offenbart!

1Kor 15,57
Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus!

Gott verordert dir nicht ein Tief. „Ja, Gott möchte, dass ich jetzt durchs tiefe Tal gehe“ oder irgend so einen Schrott. Das ist Unsinn. Vielleicht gibt es eine Zeit, wo du äußere Schwierigkeiten hast, aber dann mach es wie Paulus: Inmitten der Drangsal überreich an Freude.

2Kor 7,4b
Ich bin überreich an Freude bei all unserer Bedrängnis.

Dann macht es auch Spaß da durchzugehen. Ich weiß, dass das nicht so ganz einfach ist, aber das ist der Standard des Wortes Gottes.

Und wenn ich ein Tief hatte, und das war besonders in jener Zeit, da habe ich dann angefangen vor einem kleinen Hauskreis zu lehren. Und hab gelehrt aus den Psalmen: Wir können siegreich sein, und wir haben allezeit Sieg über unsere Feinde und wir können Gott loben und Ihn zu loben ist der Schlüssel aufzusteigen und in die luftigen Höhen des Sieges getragen zu werden.

Oh, hab ich da wunderbare Dinge gepredigt. Da kam eine Schwester zu mir und sagte: „Oh, das ist alles so gut, was du predigst. Und dir fehlt eigentlich nur noch eines“, sagt sie, „dass du jetzt das lebst, was du lehrst“.

Ich dachte, ich könnte sie würgen. Ich hatte wirkliche Gelüste irgendwie ihren Hals ein bisschen länger zu machen oder so etwas. Wie kann sie soetwas sagen! Ich lehre so gesalbt und so gut. Der ganze Hauskreis hat „Amen“ gesagt und genickt. Und das war eine biblische Botschaft. Und dann kommt sie und sagt zu mir! Da war ich schon 2 Jahre Christ! Wenn sie das zu einem jungen Christen gesagt hätte, aber nicht zu einem gereiften Mann Gottes?! Sagt sie zu mir: Jetzt fehlt dir nur noch, dass du lebst, was du lehrst.

Ich dachte, na, die muss aber reichlich verblendet sein! Das war meine Analyse für so eine Unverschämtheit.

Dann kam etwas Interessantes: Dann kam eine Zeit der Bedrängnis, der Mini-Verfolgung und der Schwierigkeiten. Und nach kurzer Zeit war ich total entmutigt, frustriert und bedrückt und ärgerlich und verletzt und wütend über die Gemeinde. Nicht diese – da war ich in einer anderen Gemeinde. Und über die Geschwister da – und wie können sie so etwas tun. Und sie nennen sich Christen – Pfui Teufel. Und solche Gefühle hatte ich da in mir drin. Wie können sie so lügen über mich und sowas mir antun usw.

Und ich war total frustriert. Total frustriert! Und nichts mehr war mit „Sieg“. Vorher hatte ich auch so mal zwei Tage oder so zwischendurch alle paar Monate, wo ich so hingestreckt war auf meiner Matratze, dass ich irgendwie geistlich abgetaucht war. Aber das waren nur vorübergehende Tiefs, nach drei Tagen stand ich wieder auf und war wieder der siegreiche Mann Gottes und predigte wieder „Sieg allezeit“ und keiner wusste, was ich drei Tage auf meiner Matratze gemacht hatte.

Aber jetzt war es nicht drei Tage auf der Matte, sondern ich war innerlich total fix und fertig. Und da ging ich zu einer Schwester – nicht zu der, eine andere aber. Die war nicht weniger weise. Und ich wollte, weil sie immer so gute Worte hatte und so viel Verständnis hatte, ich wollte, dass sie mich ein bisschen aufpeppelt. Weil mir so übel mitgespielt wurde, weil man mir so böse Dinge getan hat, weil man mich so entmutigt hat und mir so böse Sache gesagt hat, die wirklich objektiv echt der Gipfel waren dessen, was man so einem Bruder so ungefähr antun könnte oder nah am Gipfel – sagen wir mal so.

Und ich dachte, ja, sie hätte jetzt Verständnis und sie würde sagen, oh, das ist ja alles furchtbar, was da die Gemeinde mit dir macht. Und ich dachte, sie würde so richtig mich wieder trösten. Und ich ging zu ihr und ich sagte: Was soll ich nur machen?

Und da sagt sie: Weißt du was, lass uns jetzt den Herrn preisen.

Ich dachte, mir fallen die Ohren ab! Sie hat nicht verstanden, was mein Problem ist. Ich bin verletzt, ich bin verwundet, mir geht es total schlecht. Ich bin down, ich möchte am liebsten alles hinschmeissen. Und sie sagt: Lass uns den Herrn preisen.

Und mir fiel ein, das ist, was ich immer gepredigt habe: Egal, wie schlecht es dir geht – preise den Herrn und Gott holt dich wieder heraus. Es gibt keine Grube, die so tief ist, dass du da hineinfallen könntest, aus der Gott dich nicht wieder herausholen könnte. Wenn du ihm deine Liebe und deinen Gehorsam zeigst durch Anbetung. Preist den Herrn allezeit ohne Rücksicht auf Gefühle – das war meine starke Botschaft.

Und mir dämmerte, dass die andere Schwester wohl irgendwie recht hatte, mit dem, was sie gesagt hatte, dass ich das noch gar noch lebe, was ich da gelehrt habe.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 6 – Wandel im Geist (70:00 bis 75:00)

 

Okay, dann der nächste Punkt: Der Heilige Geist ist ein Geist der Gnade. Und wenn wir ihn erleben wollen, wenn wir ihm erlauben wollen, uns zu dienen, dann ist es wichtig, dass wir Menschen der Gnade werden. Und das heißt, dass wir immer da, wo es notwendig ist für uns selbst – wo wir gefallen sind, dass wir eben Gnade nehmen.

Die Antwort auf Sünde und auf Versagen ist Gnade. Und wir nehmen Gnade. Und zwar immer dann wenn es notwendig ist. Wenn wir unsere Sünde bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns vergibt und reinigt von aller Schuld.

1 Joh 1,9
Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit.

Das geht dann sehr zusammen auch mit dieser Botschaft über die Gerechtigkeit Gottes, und darüber dann später mehr. Aber ich muss es einfach der Vollständigkeit halber hier erwähnen.

Und natürlich gehört Gnade auch in unsere Beziehung mit Mitmenschen. Also unsere Reaktion auf die Fehler und Sünden und Schwächen von anderen. Wir können nicht für uns Gnade nehmen und dann uns weigern, Gnade weiterzugeben. Weil die Schrift uns dann sagt: Dann hört dieser Strom von Gnade einfach auf.

Und dann können wir uns beklagen und können sagen, das kann doch nicht sein, Gott hat doch gesagt, seine Gnade ist umsonst – ja, sie ist auch umsonst, und du kannst sie nicht verdienen – aber du kannst sie sehr wohl verhindern.

Sie ist umsonst, aber du kannst sie verhindern. Paulus sagt zu den Galatern: Wenn ihr das Gesetz beachtet, ihr seid aus der Gnade gefallen.

Gal 5,4
Ihr seid losgetrennt von Christus, die ihr durchs Gesetz gerecht werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen!

Nicht die Gnade ist unwirksam geworden, sondern sie sind aus der Gnade herausgefallen. Und wenn wir anderen Menschen, die uns wehgetan haben nicht vergeben – auch das ist eine eigene Lektion, weil es so, so wichtig ist, werden wir eine ganze Einheit nur darüber sprechen dann – „Bitterkeit und Vergebung“. Wenn wir nicht vergeben, dann hört die Gnade Gottes auf zu fließen, weil wir sie zum Stillstand gebracht haben.

Und diese Bitterkeit kann unser ganzes Leben zerstören. Und das möchte Gott nicht. Okay, der Heilige Geist kommt und er lehrt uns, was Gnade ist und wie wir sie anwenden. Gut.

Und jetzt der Hauptpunkt eigentlich hier zu diesem Bereich jetzt hier: Der Heilige Geist hat auch ein großes Verlangen, ein großes Ziel: Er möchte Jesus verherrlichen. Das ist, warum er gekommen ist. Er möchte Jesus verherrlichen.

Und wenn wir uns entscheiden, wir wollen Jesus verherrlichen, wir wollen Menschen werden der Anbetung, dann sagt der Heilige Geist: „Oh, da wird mir Raum gemacht, da kann ich kommen, da ist jemand, der wirklich Platz macht für mich“. Und dann kommt er. Ein Leben der Anbetung ist ein Leben, das dem Heiligen Geist Raum gibt. Und wenn er eben kommt, dann bringt er all das Herrliche mit, was wir vorhin schon beschrieben haben: Die Liebe, die Ermutigung, die Zuversicht und das Wertgefühl und die Freude und noch vieles, vieles andere Gute. Das wirkt der Heilige Geist wenn wir ihm Raum geben.

Eph 5,18 – dort wird also dann das beschrieben, wie das konkret aussieht. Und hier werden wir dann ganz praktisch sehen, warum ich vorhin so stark betont habe, dass Wandel im Geist etwas mit Reaktionen zu tun hat.

Okay, lasst uns einmal hier ab Vers 15 lesen ruhig.

Eph 5
15 Seht nun genau zu, wie ihr wandelt […]

Und das ist genau das Gegenteil von dem, was ich früher getan habe. Ich habe immer genau zugesehen wie ich mich *gefühlt* habe. Und ich habe immer genau zugesehen, was die anderen wieder Böses gegen mich getan haben. Darauf war mein Augenmerk gerichtet. Und du kannst nicht siegreich leben wenn du dich auf diese Bereiche konzentrierst: auf deine Gefühle und was andere gegen dich tun. Du kannst nicht siegreich sein.

Und das ist, was Paulus hier sagt: Achtet nicht darauf! Achte darauf, was du TUST.

Nicht, was du fühlst, nicht, was von außen gegen dich kommt, sondern was du tust, wie du reagierst. Das ist das Entscheidende, was bestimmen wird, ob du ein siegreiches Leben führst in Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist oder ob du in eigener Weise für dich getrennt von Gott leidest und schmollst und vor dich hin sumpfst und irgendwie so ein Leben der Niederlage führst.

Ich weiß nicht, ob du hier überhaupt weißt, wovon ich spreche, aber ich kenne Zeiten aus meinem Leben – als ich keine Lehre hatte, damals konnte ich noch nicht in ein Grundlagenseminar gehen, das gab es da nicht. Ich war ein junger Christ vor 20 Jahren oder 18 Jahren ungefähr. Und ich hab Zeiten gehabt, wo ich mich bärenstark gefühlt habe, wo ich gedacht habe, ich bin der kommende Mann Gottes und wenn doch alle nur so wären wie ich und wieso haben denn diese Schwächlinge Probleme? Ich kann das gar nicht verstehen – als Christ hat man doch keine Probleme.