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Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 7 – Gottes Gerechtigkeit (60:00 bis 65:00)

 

Wir bekennen! Der Hebräerbrief redet davon an drei Stellen, die sozusagen eine gewisse Steigerung haben, dass unser Leben und hier und das, was wir erleben mit Gott, etwas zu tun hat mit Bekennen.

Heb 3,1 – Jesus wird genannt der Hoheprieser unseres Bekenntnisses.

Heb 3,1
Daher, heilige Brüder, Teilhaber der himmlischen Berufung, betrachtet den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Jesus,

Der Hohepriester unseres Bekenntnisses! Dann in Heb 4 wird gesagt, wir sollen das Bekenntnis festhalten, weil er der Hohepriester ist.

Heb 4,14
Da wir nun einen großen Hohenpriester haben, der durch die Himmel gegangen ist, Jesus, den Sohn Gottes, so lasst uns das Bekenntnis festhalten!

Wir sollen das Bekenntnis festhalten. Was heisst das? Da ist nicht die Rede vom „Sünden bekennen“. Natürlich – wenn wir gesündigt haben, sollen wir Sünde bekennen. Aber dann sollen wir nicht immer wieder die alte Sünde bekennen, sondern weil ja uns Gott gereinigt hat, macht das wiederholte, mehrfache Bekennen von einer bestimmten Sünde, die einmal gewesen ist, macht überhaupt keinen Sinn. Das macht überhaupt keinen Sinn. Wenn Gott uns wirklich vergeben hat, uns gereinigt hat, und wir fühlen uns noch schuldig und wir kommen mit derselben Sünde wieder, weil wir denken, ah, Gott hat mir nicht vergeben, weil ich nicht ernsthaft genug Buße getan habe. Schon mal so gefühlt, ja?

Ja, das war zu leichtfertig! Einfach nur gesagt: Gott, es tut mir leid, es war echt daneben, wissen wir beide – vergessen wir es. Herr, gehen wir weiter – und du fühlst dich schuldig: Ja, ist ja klar, wenn man das so locker nur so aus der Hüfte nebenbei macht. Da muss schon mal richtig ein Tränchen vergossen werden. Und dann kneift man sich da eins raus und dann kommt keins. Und dann tut man Buße, dass man nicht so richtig Buße tun kann.

Man kann sich einen totalen Stress machen! „Bekennen“ hat überhaupt nichts mit Gefühlen zu tun. Das Wort „Bekennen“ heißt einfach nur „übereinstimmen“.

„Homo-logeo“ – „das selbe sagen wie …“

Gott sagt: Das war Zorn. Und ich sage: Ja, Herr, du hast Recht, es war Zorn. Punkt. Aus.

Und nicht: Äh, entschuldigung, ich bin ein bisschen aus der Haut gefahren. Oder irgendwas anderes, was wir so halb entschuldigend dann irgendwie sagen.

Sondern „Sünde bekennen“ heisst einfach, sie so zu nennen wie Gott sie nennt. Das hat überhaupt keine gefühlsmäßige Dimension. Wobei ich schon glaube, je mehr wir dem Herrn nahe kommen und ihn lieben, dass wir uns wirklich das leid tut und dass wir beschämt sind über das, was wir Ihm angetan haben. Das glaube ich schon. Aber das ist nicht primär der Inhalt von „Sünden bekennen“. Wir nennen die Sünde und wir verurteilen sie damit so wie Gott sie nennt.

Jemand hat mal gesagt, damit du dir keine Selbstrechtfertigungen erlaubst: „Nenn die Sünde bei dir so wie du sie bei deinem Bruder nennen würdest“. Ein sehr weiser Satz. „Nenn deine Sünde so, wie du sie bei deinem Bruder oder deiner Schwester nennen würdest“.

Da haben wir ein messerscharfes Auge, nur bei uns irgendwie ist die Optik ein bisschen getrübt. Und wir möchten dann lieber sagen: Nein, das war jetzt irgendwie ein „heiliger Zorn“ oder irgendwie sagen wir, dass ist „Sparsamkeit“. Gott sagt: Nein, das ist Geiz.

Und wir haben immer geschickte Dinge irgendwie das abzumildern und ein bisschen anders zu machen.

Also bei diesem Bekennen im Hebräerbrief ist nicht die Rede vom Bekennen unserer Sünde, sondern Bekennen dessen, wer der Herr ist, was er getan hat, was die Grundlage meiner Beziehung zu Gott ist: Ich komme zu Gott auf der Grundlage von Golgatha, ich komme, weil das Blut mich gereinigt hat, mein Vertrauen ist an das Blut gerichtet und nicht an meine Werke.

So komme ich zu Gott. Und oftmals unsere Gebete haben so wenig Power, so wenig Durchschlagskraft, weil wir viel zu sehr auf einer subjektiven Gefühlsebene rumrühren, anstatt auf biblischen Tatsachen uns zu stellen und zu sagen: Von da aus gehe ich aus. Und dann werden wir erleben wie der Geist des Gebetes kommt und wie da eine Power ist und wie da etwas ist, was wir merken, das uns wirklich durchträgt und dass wir wirklich ankommen beim Thron der Gnade. Oftmals wir beten – aber irgendwie weit weg vom Thron. Bevor wir mit konkreten Bitten kommen, lasst uns erstmal Zugang suchen und finden zum Thron.

Okay, also da haben wir den Hohenpriester unseres Bekenntnisses. Dann in Hebräer 4 – wir sollen festhalten das Bekenntnis.

Hebräer 10 wiederum hier gleich bei dieser Stelle, die ich auch schon zitiert habe:

Heb 10,23
Lasst uns das Bekenntnis der Hoffnung unwandelbar festhalten – denn treu ist er, der die Verheißung gegeben hat

Lasst uns das Bekenntnis unwandelbar festhalten. Das ist ein sehr, sehr starkes Wort. Warum sollen wir ermutigt sein, das Bekenntnis unwandelbar festzuhalten? Weil wir offensichtlich so in Versuchung sind, unser Bekenntnis nach den Umständen und vorallendingen unseren Gefühlen immer wieder zu ändern.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 7 – Gottes Gerechtigkeit (55:00 bis 60:00)

 

Und es ist nicht so wie manche sich das vorstellen, dass Gott zwischen Maleachi und Matthäus irgendwie eine wundersame Wandlung vollzogen hätte. Und auf einmal ist aus dem zornigen Gott des Alten Testamentes ein gnädiger Gott des Neuen Testamentes geworden. Viele Gläubige haben so einen Sprung in der Schüssel und sie denken sich so etwas. Aber Gott hat sich nicht geändert. Auch Gottes Gedanken und Gottes Haltung, Gottes Empfinden über Sünde hat sich nicht geändert. Und der Zorn Gottes ist immer noch eine Realität und der Teufel wird ihn eines Tages sehr empfindlich zu spüren bekommen.

Was sich geändert hat, ist unser Zugang zu Gott. Unsere Möglichkeit eben Gnade zu empfangen und bewahrt zu werden vor dem Zorn, der immer noch da ist. Der Zorn Gottes ist immer noch da und wir werden durch das Blut Jesu bewahrt.

Also bei diesem Ausdruck „bewahrt durch sein Blut“ – ich denke immer sofort an Exodus als Israel sich fertigmachte in der letzten Nacht und rauskam aus Ägypten. Jede Familie musste ein Lamm schlachten, ein fehlerloses Lamm und sie mussten das Blut des Lammes nehmen und mussten das an die Türpfosten streichen. Und dann ging dieser Würgeengel, dieser Todesengel durch das Land und es heisst dann: „wo er das Blut sah, ging er vorüber“.

2 Mose 12,13b
Und wenn ich das Blut sehe, dann werde ich an euch vorübergehen: So wird keine Plage, die Verderben bringt7, unter euch sein, wenn ich das Land Ägypten schlage.

Also wo das Blut an den Häusern war, konnte der Tod nicht zuschlagen, das Gericht konnte nicht zuschlagen, dort, wo das Blut war.

Und ich glaube, dass Juden, die in dieser Tradition aufgewachsen sind, das viel besser wertschätzen können als wir heute. Wenn wir lesen „wir werden bewahrt durch sein Blut“.

Röm 5,9
Um wie viel mehr werden wir nun durch ihn bewahrt werden vor dem Zorn, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind!

Jesus hat das Blut gegeben, er ist das wahre Opferlamm. Und so wie damals das Blut angewandt werden musste, genauso müssen auch wir das Blut anwenden. Es muss angewandt werden. Es wirkt im Himmel dadurch, dass Jesus es als unser Hohepriester im Himmel anwendet. Aber die Probleme sind nicht nur im Himmel, die Probleme sind auch auf der Erde.

In Off 12,10 wird von dem Verkläger der Brüder gesprochen, der die Brüder Tag und Nacht verklagt.

Off 12,10b
denn hinabgeworfen ist der Verkläger unserer Brüder, der sie Tag und Nacht vor unserem Gott verklagte.

Als ganz junger Gläubiger habe ich gedacht, naja, das ist was, was nur den Himmel betrifft. Aber nach kurzer Zeit habe ich festgestellt, wenn er da oben mich verklagt, kommt auch davon was auf mich, und ich fühle mich verklagt und angeklagt und dann ist eben die dicke Wolke der Verdammnis über mir.

Jesus sorgt für die Anwendung des Blutes im Himmel. Und du sorgst für die Anwendung des Blutes hier auf der Erde!

Du nimmst das Blut und wendest es an. Und so kannst du durch das Blut rein sein in deinem Gewissen. Besprenkt. Gereinigt von all dem Negativen wie wir das eben gelesen haben.

Ich glaube wenn in dieser Nacht des Auszuges, wenn Gott da durch Mose diese Anweisung gegeben hat: Das Blut soll überall an die Türpfosten gestrichen werden – jeder hat das getan. Da war nicht einer da, der gesagt hat: Also, ihhh, mit dem Blut, das finde ich nicht so appetitlich und überhaupt, unsere schöne Tür. Wer wird das nachher wieder sauber machen? Und das finden wir irgendwie nicht so gut. Das reicht doch auch wenn wir die Schüssel hier in die Nähe der Tür stellen oder so.

Sie haben es genauso gemacht wie die Anweisung war! Ein Büschel von diesem Ysop oder was das da war und dann da reingetaucht und dann hier haben sie die Türpfosten richtig schön eingestrichen, weil sie wollten, dass der Würgeengel richtig schön vorüberzieht.

Deswegen haben sie genau die Anweisung befolgt. Und die Bibel redet davon, dass wir auch das Blut Jesu heute anwenden müssen. Das ist nicht eine Sache, die mit deiner Bekehrung alleine zu tun hat. Es hat etwas zu tun mit deiner Gewissensfreiheit. Es hat etwas zu tun mit der Reinheit, die du erleben kannst in dir. Dieser Bibelvers in der Offenbarung geht weiter …

Off 12,11
Und sie haben ihn überwunden wegen des Blutes des Lammes und wegen des Wortes ihres Zeugnisses, und sie haben ihr Leben nicht geliebt bis zum Tod!

Drei Dinge, die sie als Waffen sozusagen benutzt haben gegen den Dienst des Teufels zu verklagen.

Das Wort ihres Zeugnisses, das Blut des Lammes und ihr Leben nicht geliebt bis an den Tod. Drei Dinge.

Und eines davon ist das Blut, das wir anzuwenden haben. Und ich glaube, dass das kombiniert ist mit dem Wort unseres Zeugnisses. Und dass das so zu verstehen ist, dass wir bezeugen vor Gott, vor uns selbst und vor der Finsternis, was das Blut für uns getan hat und heute tut.

Wir bekennen. Wir setzen die rettende, bewahrende, heilende Kraft des Blutes frei durch unser Bekenntnis.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 7 – Gottes Gerechtigkeit (50:00 bis 55:00)

 

Und deswegen redet die Bibel davon, dass unser Gewissen gereinigt wird.

Heb 9,14
wie viel mehr wird das Blut des Christus, der sich selbst durch den ewigen Geist als Opfer ohne Fehler Gott dargebracht hat, euer11 Gewissen reinigen von toten Werken, damit ihr dem lebendigen Gott dient12!

Unser Gewissen soll von den toten Werken gereinigt werden. Und Hebräer 10 redet ebenfalls davon.

Heb 10
19 Da wir nun, Brüder, durch das Blut Jesu Freimütigkeit haben zum Eintritt in das Heiligtum,
20 den er uns eröffnet6 hat als einen neuen und lebendigen Weg durch den Vorhang – das ist durch sein Fleisch -,
21 und einen großen Priester über das Haus Gottes,
22 so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in voller Gewissheit …

… das ist das genaue Gegenteil von Angst vor Strafe, Angst vor Gericht, Angst, dass Gott mit mir nicht zufrieden ist und nicht einverstanden ist und mich verwirft und sagt: „Okay, gut, jetzt bist du reingekommen, aber denk ja nicht, dass du heute meine Liebe kriegst – bei dem, was vorgefallen ist, das kannst du vergessen! Nächste Woche können wir nochmal drüber reden.“

Das Gegenteil davon wird hier beschrieben!

Heb 10,22b
in voller Gewissheit des Glaubens, die Herzen besprengt und damit gereinigt vom bösen Gewissen und den Leib gewaschen mit reinem Wasser.

Womit werden die Herzen besprengt? Mit dem Blut! Das Blut reinigt uns. Das Blut Jesu hat Kraft zu reinigen. Das ist eine starke Betonung im Neuen Testament: Entweder drückt Paulus aus: Wir sind gerecht durch Glauben – oder an anderen Stellen sagt er: Wir sind gerecht durch sein Blut. Und dann lasst uns nicht verwirrt werden und sagen: Ja, was meint er nun? Gerecht durch Glauben oder gerecht durch das Blut?! Nein, kombiniere beides! Wir sind gerecht durch Glauben an sein Blut.

Das Blut Jesu ist eine lebendige Realität heute. Der Hebräerbrief hat sehr viel darüber zu sagen, und er redet davon, dass das Blut Jesu redet. Es redet lauter als das Blut von Abel. Das Blut von Abel redet also auch!

Heb 12,24
und zu Jesus, dem Mittler eines neuen Bundes; und zum Blut der Besprengung, das besser redet als das Blut Abels.

Was redet das Blut von Abel? Nun, das war ein Mordfall! „Schuldig, schuldig, schuldig!“ Das ist, was das Blut von Abel redet in Bezug auf den Kain. Und das Blut Jesu redet auch. Und es redet besser. Was redet das Blut Jesu? „Gerecht, gerecht, gerecht!“

Das Blut ist eine Realität. Die Bibel sagt, dass Jesus nach der Himmelfahrt sein Blut mitgenommen hat. Frag mich nicht wie er das gemacht hat und wie man sich das vorstellen soll. Aber die Bibel sagt: Er hat die himmlischen Heiligtümer gereinigt durch sein Blut.

Das sagt übrigens, dass die Sünde solche katastrophalen Auswirkungen hat, dass sogar der Himmel davon was abgekriegt hat. Der Himmel ist durch die Sünde beschmutzt worden. Und Jesus musste da oben für uns sauber machen. Durch sein Blut. Und dieses Blut ist im Himmel, dieses Blut ist vor dem Thron und dieses Blut ist real und es wirkt und es soll auch auf der Erde wirken. Und dazu ist notwendig, dass wir etwas hören über das Blut.

Und gemessen daran wieviel – gerade im Hebräerbrief, diesem Brief über die Gnade, diesem Brief über den neuen Weg zu Gott und Befreiung vom Gesetz – in diesem wunderbaren Brief ist sehr, sehr viel die Rede von dem Blut. Von dem Blut der Tiere im Opfersystem des Alten Bundes und dann eben dem Blut des Lammes, das so viel besser ist. Das eben unser eigentliches Opfer ist. Es ist sehr, sehr viel davon zu reden.

Und manchmal hat man den Eindruck, dass wir Christen irgendwie gar nicht so gerne von dem Blut reden. Dass wir vielleicht sogar irgendwie denken, was sollen die Fremden denken, wenn wir hier von dem Blut reden? Und wir glauben an das Blut Jesu und so etwas?! Ist das jetzt irgendwie so ein Blut-Kult oder was ist das hier überhaupt oder ist es irgendwie so eine Schlächter-Mentalität oder warum wird da andauernd von dem Blut geredet?

Aber in der Bibel, bei Paulus im Hebräerbrief, ich sehe diese Probleme nicht. Da wird von dem Blut geredet als eine ganz powervolle Angelegenheit. Das Blut ist im Himmel eine Realität und wenn dort die schlechten Nachrichten über uns ankommen, dann weist Jesus einfach nur auf das Blut hin, was ebenfalls da ist. Und so werden wir durch sein Blut – Röm 5,9 – wir werden durch sein Blut bewahrt vor dem Zorn.

Röm 5,9
Vielmehr nun, da wir jetzt durch sein Blut gerechtfertigt sind, werden wir durch ihn vom Zorn gerettet werden.

Bitte, es ist wichtig, dass wir hier klar sind: Der Zorn Gottes ist eine Realität!

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 7 – Gottes Gerechtigkeit (45:00 bis 50:00)

 

Verstehst Du? Wenn wir da angeklopft hätten: „Darf ich auch mal rein?“ – Die Engel hätten dir eins gehustet. Du wärst da nie reingekommen, du kommst in Christus rein! Wer wird begrüßt an der Tür? Christus! Nicht du.

Viele stellen sich den Himmel vor wie beim Karneval. Da stehen die dann an der Tür und dann klopft der arme Sünder an. Und dann wie beim Karneval: „Sollen wir ihn reinlassen?“

Aber das ist nicht der Fall. Wir kommen nicht rein aufgrund unserer Werke, wir würden nie hineinkommen. Wir kommen hinein aufgrund der Werke, die Christus getan hat. Und unser Vertrauen ruht auf seiner Tat und fertig, aus. Und so kommen wir hinein. In ihm haben wir die Erlösung.

Eph 1,7
In ihm haben wir die Erlösung1 durch sein Blut, die Vergebung der Übertretungen nach dem Reichtum seiner Gnade,

In Christus(!) sind wir zur Errettung gekommen, zum Erbteil gekommen, in ihm – nicht in uns. Es hat überhaupt nichts mit dir zu tun.

Jemand könnte ein Unmensch sein wie Adolf Hitler oder Stalin oder irgendwer, wenn er in den letzten Sekunden seines Lebens sagt: Jesus, es war alles Mist, bitte vergib mir, nimm mich an – wir würden ihn heute dann finden im Himmel wenn wir kommen.

Es ist nicht das Leben, es sind nicht die Werke, sondern es ist das, was Jesus für uns getan hat. Stellvertretend. Okay.

Röm 5,17 sagt dasselbe, es spricht von dem Geschenk, von der Gabe der Gerechtigkeit.

Röm 5,17
Denn wenn durch die Übertretung des einen der Tod durch den einen geherrscht hat, so werden viel mehr die, welche den Überfluss der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen, im Leben herrschen durch den einen, Jesus Christus.

Das ist die Gabe der Gerechtigkeit, die wir empfangen. Seine Gerechtigkeit. Und wenn wir davon hören, dass es die gibt – vielleicht hörst du, lieber Hörer hier auf Kassette zum ersten Mal, dass es ein Geschenk der Gerechtigkeit gibt – dann nimmst du das an. „Herr, ich danke dir für die Gerechtigkeit, ich nehme sie jetzt“. Nicht: Bitte, bitte, ach, es wär so schön wenn ich sie auch hätte. Ich nehme sie jetzt.

Und danach – im Glauben – haben wir sie empfangen und wir sind rein vor Gott. Wir sind rein, so rein als hätten wir nicht gesündigt.

Und dann geht Gott mit uns, und dann trainiert Er uns, und dann lehrt er uns, und wir werden viele, viele Male fallen. Und da, wo Gott uns überführt, sollen wir einfach nur ehrlich sein und sagen: „Du hast Recht, das war nicht der neue Mensch, das war der alte.“

Und es gibt dutzende und dutzende von anderen Dingen, bei denen Gott uns nicht überführt, weil Er sagt: Ich will ihn nicht überfordern, nicht zu viel auf einmal. Jetzt trainieren wir erstmal diese Geschichte, und wenn wir damit fertig sind, schlagen wir ein neues Kapitel auf. Wenn Gott uns über alles überführen würde, was nicht in Ordnung ist, wir würden das gar nicht aushalten. Aber Gott in seiner Gnade deckt erstmal eine Menge Dinge zu. Und du hast vielleicht schon gemerkt, wenn du ein paar Jahre mit dem Herrn gehst, heute kommst du mit Sachen nicht mehr durch, wo du als Neubekehrter mit Leichtigkeit beim Herrn durchgekommen wärst. Weil im Laufe der Zeit Gott dich gelehrt hat und weil Er erwartet, dass du jetzt in Bereichen aufpasst, die du früher noch relativ unbeachtet irgendwie einfach hast links liegen lassen und wo allerhand Fehltritte du dir erlaubt hast, weil du noch gar nicht geschärft warst in deinem Gewissen, in deinem Bewusstsein für diese Dinge.

Und wir brauchen nichts anderes zu tun als eben heute mit Gott zu gehen und ehrlich zu sein und mit dem uns zu beschäftigen – auch nicht zu viel uns zu beschäftigen – sondern einfach nur zu bekennen.

1 Joh 1,9
Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.

Wir nehmen oftmals nur den ersten Teil – Gott vergibt. Aber Gott reinigt auch. Und nachdem Gott uns gereinigt hat von irgendeiner konkreten Sünde, die wir ihm gebracht haben. Was ist danach? Wir sind rein? Und zwar richtig rein. Keiner wäscht reiner. Aprilfrisch. Lenor. Duftend mit himmlischem Parfüm behandelt. Wir sind richtig rein.

Wenn die Unreinheit weg ist, bleibt nur noch die Reinheit übrig, ist doch logisch.

Und das soll eine Reinheit sein, die wir auch in unserem Gewissen erleben können. Nicht nur die wir theoretisch haben, „ja, irgendwie muss ich jetzt annehmen aufgrund des Sachverhaltes des Wortes, dass Gott mich jetzt wohl irgendwie angenommen hat und gereinigt hat. Ich fühle mich zwar noch total unrein und mein Gewissen klagt mich an, noch und nöcher, aber irgendwie muss ich es jetzt so irgendwie annehmen“.

Das reicht nicht aus!

Sondern diese geistliche Ebene, unser Status vor Gott: „Ich bin rein, weil Er meine Sünde vergeben hat und weil Jesus für alle meine Schuld schon bezahlt hat“ – diese Reinheit soll auch gefühlt werden von mir in meinem Gewissen.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 7 – Gottes Gerechtigkeit (40:00 bis 45:00)

 

Also viele Gläubige auf der einen Seite haben Mühe, das wirklich zu glauben, dass Gott über sie begeistert ist und dass Gott sie gerne empfängt – in Klammern: und es wird kein gesundes geistliches Wachstum geben, wenn wir diesen Punkt irgendwie versuchen zu umschiffen und sagen: Naja, ist nicht so wichtig. Wir brauchen wie ein Baby, dass das Gefühl hat, dass es da zur Familie gehört und dass es versorgt wird und dass es bejaht wird, brauchen wir für gesundes Wachstum diese Erfahrung, Gott ist für mich trotz meiner Schwäche. Klammer zu. Das brauchen wir! Unbedingt.

Und auf der anderen Seite habe ich noch nie einen Gläubigen gesehen, der zu mir in die Seelsorge kam oder irgendwo anders hin und sagt: „Pastor, ich hab ein totales Problem: Ich kann es mir einfach nicht vorstellen, dass Jesus, als er von der Erde kam und hier eben das Werk des stellvertretenden Leidens und Sterbens für die Menschheit vollzogen hat und hier auf dieser sündigen Erde gewandelt ist – als er zurückkam zum Vater, dass er einfach so bedingungslos und vorbehaltlos von Gott angenommen wurde. Ich kann es mir nicht vorstellen, dass Gott, der Vater, Jesus wirklich so total liebt“.

Ich habe noch nie jemanden gehabt, der mit solchen Problemen in die Seelsorge kommt. Alle glauben spontan, dass Gott, der Vater, Jesus total vorbehaltlos, bedingungslos liebt. Da gibt es keine Probleme. Die Probleme liegen eben auf der Seite: „Ja, wie steht Er zu mir?“ Da sind die Probleme.

Und da ist eben die Lösung: Wir, wie ich das schon gelehrt habe, wir sind verborgen in Christus. Wir sind in Christus.

Kol 3,3
Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott.

Und unsere Erlösung kann man sich in einer Weise etwas kindlich vielleicht, aber irgendwie auch so vorstellen: Wir wissen, der Himmel ist ein heiliger Ort. Und dann lesen wir manchmal so Schriftstellen, die bringen uns dann echt irgendwie leicht unter Druck, ja? Da wird dann gesagt: Kein Unreiner, kein Lüstling, kein Trunkenbold usw. werden das Himmelreich ererben.

1 Kor 6
9 Oder wisst ihr nicht, dass die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Lustknaben noch Knabenschänder
10 noch Diebe noch Habgierige noch Trunkenbolde noch Lästerer noch Räuber werden das Reich Gottes ererben.

Gal 5
19 Offenbar aber sind die Werke des Fleisches; es sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung,
20 Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Zornausbrüche, Selbstsüchteleien, Zwistigkeiten, Parteiungen,
21 Neidereien, Trinkgelage, Völlereien und dergleichen. Von diesen sage ich euch im Voraus, so wie ich vorher sagte, dass die, die so etwas tun, das Reich Gottes nicht erben werden.

Und dann denken wir, naja, gut, also mit Trinken haben wir keine Probleme, aber dann lesen wir weiter und dann kommen sogar noch die Feiglinge.

Offb 21,8
Die Feiglinge aber und die Ungläubigen und mit Gräueln Befleckten und Mörder und Unzüchtigen und Zauberer und Götzendiener und alle Lügner — ihr Teil wird in dem See sein, der von Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod.

Dann werden sogar noch die Feiglinge aufgezählt – auch die werden nicht das Himmelreich ererben. Und dann denken wir, au weiha. Also wenn ich daran denke, wo ich neulich da mal jemanden was vom Herrn erzählen sollte und wo ich dann elegant gekniffen habe und mich aus der Affäre geschlichen habe – also da bin ich mir jetzt doch nicht mehr so sicher, ob nicht möglicherweise ich doch unter die Feiglinge noch einzuordnen bin.

Und dann kriegen wir echte Probleme mit solchen Schriftstellen. In Klammern: Diese Schriftstelle redet nicht von „Errettung“, sondern redet von dem Empfangen der Erbschaft hier jetzt. Aber es gibt z.B. Gemeinden, die glauben, dass wenn ein Trinker sich bekehrt und er ist noch nicht am ersten Tag seines Bekehrtseins frei von Trinken – und dann auf einmal stirbt er – dass er dann verloren geht. Das gibt es tatsächlich! Kannst dir vorstellen, dass wenig Freude in einer solchen Gemeinde ist, wo so etwas verkündigt wird. Da ist enormer Druck da. Weil es bleibt ja dann nicht beim Trinken, sondern dann kommen noch alle möglichen anderen Dinge auch hinzu und die Leute unbewusst leben unter diesem Druck, vollkommen sein zu müssen.

Okay, ich glaube, um errettet zu sein, um in den Himmel zu kommen, ist nichts anderes nötig als zu akzeptieren und das für sich in Anspruch zu nehmen: Jesus ist für meine Sünden gestorben. Punkt. Fertig. Aus.

Und Errettung hat nichts damit zu tun, wieviel diese Errettung schon sichtbar geworden ist. Natürlich kann bei einem Trinker, der einen Tag nach seiner Bekehrung verstorben ist, noch nicht viel an Frucht des Geistes gewachsen sein. Das ist ja ganz logisch. Wie will man das bemessen dann, ob der dann noch in den Himmel kommt oder nicht? Da hätte man ja sogar als Gott noch Probleme.

Also die Grundlage ist, hat er Jesus angenommen oder nicht? Punkt. Fertig. Aus. Alle, die den Namen des Herrn anrufen, werden errettet werden.

Apg 2,21
Und es wird geschehen: Jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird gerettet werden.“ (Joel 3,5)

Das ist die Grundlage für Errettung wie ich sie verstehe.

Also jetzt nochmal zum Himmel: Offensichtlich, wahrscheinlich von Engeln, scharf bewacht, die Eingänge. Dass also die Unreinen da nicht hineinkommen, ja? Nun stell dir vor, Jesus hat seine irdische Mission beendet, Golgatha liegt hinter ihm, strahlender Ostermorgen war das große Freudenfest. Jesus kommt zurück dann zu Himmelfahrt, kommt zurück wieder zum Vater. Da stehen die Engel am Tor, die Wache halten.

Das sind seine Angestellten! Er ist der Chef, er kommt nach Hause. Die stehen da nicht und sagen: Moment mal, Chef, wir haben hier strenge Order, wir dürfen niemanden Unreinen einlassen, wir müssen jetzt erstmal eine strikte Untersuchung hier vornehmen. Er ist ihr Chef, er kennt sie mit Vornamen, er grüßt sie und sie sagen: Schön, dass du wieder da bist – und er geht durch.

Und egal wie viele Wachen da sind vor dem Thronsaal Gottes, Jesus hat freien Zugang.

Und dann, wenn er beim Vater ist, der Vater hat totales Vertrauen in ihn und er nimmt ihn an und er liebt ihn, und sie freuen sich, dass sie wieder zusammen sind.

Und dann sagt Jesus: „Ich habe dir was mitgebracht“. Und aus seinem weiten Mantel dann holt er dann dich heraus. Und stellt dich vor den Vater. Und dann mich. Und dann noch einen, und dann noch ein paar Millionen. So sind wir in den Himmel gekommen – reingeschmuggelt. „In Christus“ ist unsere Errettung.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 7 – Gottes Gerechtigkeit (35:00 bis 40:00)

 

Da wird ein hoher Standard vorgelegt, dann wird uns gesagt, dass wir den Standard nicht erreicht haben, uns wird kein Wort gesagt, wie wir diesen Standard erreichen sollen und wir gehen mit dem Gefühl nach Hause, irgendwie sind wir keine richtigen Christen.

Viele, viele Gemeinden habe ich besucht, wo so etwas stattfindet, wo die Leute nicht aufgebaut werden, wo sie nichts von heilsamer Gnade schmecken, wo sie nichts davon wissen, dass Gott, der Vater uns mit ganz anderen Augen ansieht, sondern wo die Gläubigen bedrückt sind und geknechtet sind.

Und wenn wir nicht als Kinder Gottes aufwachsen mit dem richtigen Bild von Gott, dem Vater, wie Er uns sieht, dann werden wir uns schief entwickeln, wir werden Wachstumsstörungen haben oder irgendwie werden wir seelisch/geistlich verkrüppelt werden und wir werden eine Menge von Problemen haben, die wir dann auch an andere weitergeben – eine Menge von Problemen.

Und die allererste Botschaft, die auch damals ja so bei den Juden schockierend war, die Jesus gebracht hat: Gott will euer Vater sein. Gott will euer Vater sein!

Einen Gott mit lauter Regeln und Gesetzen und Verordnungen, den hatten sie schon. Einen heiligen Gott. Aber das war ein Skandal für sie: Gott ist ein Vater. Und Er will eine persönliche Beziehung haben zu dir und er ist voller Verständnis. Und Er weiß, wo du jetzt bist und Er kann das verstehen. Und Er erwartet nicht von dir heute etwas, was erst in ein paar Jahren für dich dran ist, sondern er kommt dir auf deinem Niveau entgegen – sogar wenn du 20 Jahre auf der Stelle getreten bist und irgendwie geistlich dich kaum bewegt hast und schon geistlich schontot warst – Gott kommt immer auf die Ebene, wo wir jetzt sind, und von da dient er uns – nicht mit Anweisungen, nicht mit Aufgaben, nicht mit Regeln, die er über uns so ausschüttet – sondern Er kommt mit Liebe.

Und Gott hat eben diesen Weg gefunden durch Jesus, durch den Opfertod und durch das vergossene Blut, dass wir glauben können an seine Liebe wiewohl wir unvollkommen sind. Das ist der entscheidende Punkt, der geleistet wird von der Lehre „Gerechtigkeit aus Glauben“. Wir können glauben an die Liebe Gottes wiewohl wir wissen und das auch deutlich erlebt haben, dass wir noch nicht vollkommen sind.

Jesus ist unser Zugang zum Vater. Wir kommen nicht zum Vater aufgrund unserer eigenen Leistungen. Das ist, was Jesus meinte als er sagte, die „enge Pforte“, durch die wir eingehen sollen. Wenn wir solche Worte lesen und wir verstehen nicht wie das mit Gnade zusammenhängt – wir kriegen Ängste. „Na, wer weiß, ob das nicht alles irgendwie viel zu einfach ist wie wir uns das machen. Jetzt haben wir schöne happy clappy charismatische Gottesdienste, aber eines Tages kommt dann der entscheidende Test, und dann kommt die enge Pforte und ich hoffe, dass ich da noch durchpasse oder ob ich nicht geistlich irgendwie viel zu fett und behebig geworden bin“.

Die enge Pforte ist so eng, dass nur einer da durchpasst und der heißt Jesus. Und wir kommen entweder durch Jesus zum Vater oder wir kommen überhaupt nicht zum Vater. Wir kommen nicht zum Vater mit unserer Leistung, mit unseren Werken, mit unserer Anstrengung.

Und es ist schon interessant, dass auf der einen Seite so viele Gläubige Mühe haben zu glauben, wenn sie anfangen zu beten, dass Gott anfängt zu strahlen und sich zu freuen und begeistert ist wenn da sein liebes Kind in Seine Nähe kommen will. Viele haben Mühe das zu glauben. Und weil sie das nicht glauben können, deswegen haben sie auch gar keine Freude an ihrem Gebet. Es ist eine Qual zu beten zu einem Gott, von dem man nicht weiß, ob man bei Ihm hochwillkommen ist. Das ist eine Qual. Es ist eine Leistung. Es ist eine fromme Sache, da kannst du auch eine tibetanische Gebetsmühle drehen, das ist genau so Knochenarbeit.

Die Grundlage von Beziehung und von Gebet ist, dass ich wirklich glauben kann im Herzen, Gott liebt mich, Gott ist für mich und Er bejaht mich. Und wenn ich komme, Er stößt mich nicht ab, Er sagt nicht: Ja, mein Lieber, du willst in meine Nähe kommen? Jetzt will ich dir erstmal sagen, was alles nicht gelaufen ist: Das hast du nicht gemacht, und hier warst du nicht in Ordnung und das ist verkehrt gelaufen und hier! Und überhaupt da! Und was denkst du dir darüber?! Und jetzt ab – geh mal wieder zurück und bring das alles in Ordnung, und wenn alles fertig ist, dann trau dich wieder her, aber komm ja nicht vorher, bevor du alles gemacht hast, was ich dir gesagt habe!

So ein unbewusstes Bild von Gott haben wir – wenn wir nicht geheilt sind durch diese befreiende Lehre von der Gnade und von der Stellvertretung unseres Herrn.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 7 – Gottes Gerechtigkeit (30:00 bis 35:00)

 

Luther hat dort – oder die dann später das irgendwie revidiert haben – hat es nicht fertiggebracht das irgendwie so klar auszudrücken wie es da steht. Da findest du dann in Luther-Übersetzungen „die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt“. Aber einfach im Griechischen steht dort: Die Gerechtigkeit Gottes.

Und das kannst du verstehen, diesen Ausdruck bei Luther, das ist noch eine Stufe darunter. Das ist nicht die Gerechtigkeit Gottes, aber naja gut, „lassen wir gelten“. So ungefähr, ja? So „4-„. Mit Ach und Krach irgendwie so gerade noch so.

Aber das ist nicht, was da steht. Sondern was dir übertragen wird durch Gottes Gnade ist eben der Stand von Jesus vor dem Vater. Das ist, was dir übertragen wird. Das ist ja auch alles beinhaltet in dieser Tatsache, dass wir durch Christus Zugang haben sollen zum Vater. Dass wir in seinem Namen kommen sollen wenn es darum geht, konkrete Bitten zu äußern. Wir sollen nicht in unserem Namen kommen, nicht mit unseren Werken, nicht mit dem, was wir können und haben, sondern wir sollen kommen in seinem Namen.

Und da hat Gott uns sozusagen eine Brücke gebaut irgendwie, dass wir glauben können, dass wir geliebt sind, obwohl wir unvollkommen sind. Das ist das Problem. Das ist der entscheidende Punkt, ja, worum es geht eben und wo die Gefahr ist zu Knechtschaft und sich selbst zu unterdrücken und anzuklagen, wenn man einen solchen hohen Standard, wie er im Neuen Testament uns beschrieben wird, eben für sich übernimmt. Dann ist da so gefühlsmäßig halt immer das miteinander verbunden: Liebe als Bezahlung sozusagen für Gehorsam. Oder Liebesentzug, Bestrafung als Folge für Ungehorsam oder für Unvollkommenheit.

Und darum müssen wir aufpassen für uns selbst und die Gemeinde, in der wir sind, dass wir in einer Balance sind. Dass wir einen klaren göttlichen Standard haben und den kombinieren mit Gnade. Dass nicht irgendwie eine Atmosphäre von Leistung und von eigener Anstrengung und Verdammnis usw. kommt.

Eine Gemeinde, die unter dem Gesetz ist, kannst du mit Leichtigkeit daran erkennen, dass es keine freudevoll Begegnung mit Gott in der Anbetung gibt. Weder im Leben des Einzelnen noch im Gottesdienst.

Niemand, der unter dem Gesetz versucht, Gott zu gefallen, kann sich mit offenem Herzen so in seine Gegenwart hineinwagen und einfach seine Liebe unbeschwert wie ein Kind ausdrücken. Niemand kann das. Sondern man muss sich schützen, man muss schauen, wieviel hat man an sozusagen Glaubensgrundlage um jetzt den Segen Gottes zu bekommen. Man ist auf sich fixiert und man wird diese Schuldgefühle, die sich automatisch einstellen, niemals wirklich abschütteln können – niemals wirklich überwinden können.

Und so gibt es also paradoxerweise viele neutestamentliche Gemeinden, die Gott dienen in alttestamentlicher Weise. Es ist paradox, aber es ist wirklich so. Und wo wir nicht einen freien Zugang haben zu Gott und wo die Liebe Gottes das Therapeutikum Nummer 1 ist, sondern die Knute des Gesetzes: „Du hast nicht, und du solltest, und warum hast du nicht? Und du musst doch endlich mal“ usw. Und so wird dann eine ganze Gemeinde gegängelt, gequält, gepeinigt: „Ihr müsst evangelisieren, ihr müsst beten, ihr müsst das …“ usw.

Beten, Evangelisieren – all das sind gute Dinge. Aber wenn sie eine Geißel werden, uns ein schlechtes Gewissen einzuhämmern und wir danach uns dann wieder als Versager fühlen und wenn es sogar so ist, dass also dann eine Predigt im Sonntag nicht zu einem Genuss wird, sondern zu einer Belastung wird – wie ich das in frühreren Zeiten erlebt habe. Und man brauchte drei Tage um wieder auf Normalverfassung zu kommen – also am Mittwoch ungefähr, in der Mitte der Woche hat man dann den Sonntag so einigermaßen innerlich irgendwie so wieder verarbeitet und verkraftet und konnte dann ein bisschen Kraft sammeln im anstrengenden Alltag, um sich zu wappnen für den nächsten Sonntag.

Das ist nicht das biblische Maß. Die Bibel sagt, dass Gemeinde ein Ort der Freiheit und der Freude ist und wo wir Gott feiern und wo wir Gott begegnen, wo wir aufgeladen werden sollen mit Kraft, um dann rauszugehen, um für Gott die Woche zu arbeiten. Und dann kommen wir zurück und wir feiern wieder. Das ist, was Gemeinde ist eigentlich. Es ist nicht, wo wir dann noch zusätzlich: „Ja, das habt ihr alles nicht gemacht, schaut mal, das und das und das“.

Viele Predigten, die ich kennengelernt habe, gehen noch folgendem Muster: „Das ist, was Gott sagt, was ihr sein solltet, aber das da unten seid ihr, und jetzt geht nach Hause. Amen“.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 7 – Gottes Gerechtigkeit (25:00 bis 30:00)

 

Und nur auf dieser Grundlage, wenn wir uns so Gott nahen, können wir frei empfangen und fühlen nicht mehr diese Mauer, diese Distanz, diese Barrikaden zwischen uns und Gott und fühlen nicht mehr dieses „zu kurz kommen“.

Und das ist eben die Gerechtigkeit, die wir nicht erarbeiten können, die wir auch nicht erarbeiten dürfen. Wenn wir etwas dafür tun, verlieren wir sie automatisch, sofort. Etwas dafür zu tun, heißt, wir verlieren sofort. Das ist eine Gerechtigkeit, die ist eben fix und fertig durch Jesus erworben. Und sie wird dir geschenkt oder übergeben und übereignet und dir angeboten als Geschenk. Und wenn du mehr tust als nur „Danke“ sagen, verlierst du sie. Wenn du sie nimmst und gleichzeitig weiter auf dich selber achtest und versuchst jetzt aus eigener Kraft dem entsprechend würdig zu wandeln und wieder auf dich schaust und auf deine Werke baust, verlierst du sofort, was du bekommen hast. Das ist etwas sehr paradoxes.

Es ist Geschenk – und wenn du etwas versuchst dazu zu tun, um es zu verdienen, verlierst du es. Entweder als Geschenk oder gar nicht.

Und es gibt sehr wohl die Möglichkeit – wie das das Neue Testament beschreibt, dass Menschen aus der Gnade fallen können, was nicht bedeutet, dass wenn sie dann sterben würden, im nächsten Moment, dass sie nicht beim Herrn sind, ja? Sondern das ist die Gnade, die sich eben hier auswirkt in unserer Beziehung zu Gott, und dann auch in unserem Lebensstil. Darum geht es – nicht um Kindschaft – ja oder nein. Sondern um: Ist der Weg zum Vater frei und kann ich von Ihm empfangen? Darum geht es.

Phil 3,9 – da bringt Paulus auch nochmal in einem Vers diesen Unterschied. Er sagt dort:

Phil 3,9
indem ich nicht *meine* Gerechtigkeit habe [und das erklärt er jetzt …], die aus dem Gesetz ist, sondern die durch den Glauben an Christus, die Gerechtigkeit aus Gott aufgrund des Glaubens

Gerechtigkeit aus Gott aufgrund des Glaubens! Das heißt also, seine Leistung wird mir total überschrieben. Und danach betrachtet mich Gott als hätte ich diese Leistung des Gehorsams vollbracht. Das ist gewaltig. Das einzige, was mir einfällt, um das irgendwie zu illustrieren, ist wie ich es in der Schule in Mathe gemacht habe. Da war ich sehr, sehr schlecht, aber ich hatte das Vorrecht hinter dem zu sitzen, der der Beste war. Und zwar um es genauer zu sagen: Schräg hinter dem zu sitzen.

Denn genau dahinter zu sitzen ist auch nicht so vorteilhaft. Wie gesagt: Ich rede jetzt menschlich, und ich weiß, dass Abschreiben nicht göttlich und geistlich ist, das war aus meiner vorchristlichen Zeit. Aber was passiert ist: Ich saß und kaute intelligent auf meinem Stift rum und versuchte, einen angestrengten Eindruck zu machen. Und ich wartete nur, bis er endlich die ersten Aufgaben fertig gerechnet hatte, dann auf verabredetes Zeichen und Klopfen ans Stuhlbein, hat er das Heft mehr in die Mitte gelegt und dann habe ich einen langen Hals gekriegt und habe also die Leistung von ihm übernommen.

Wenn ich wirklich gut gewesen wäre im Abschreiben, was ich nicht so sehr war, dann hätte praktisch der Lehrer mit der Zensur seine Leistung bewertet – nicht meine Leistung. Ich bekam eine Zensur für etwas, was ich nicht geleistet habe. Und eben – das klappte dann alles nicht so, weil ich auch nicht so gut war mit Abschreiben und dann lag ich trotzdem immer noch weit unter seinen Einsen, aber immerhin.

Und mit der Gerechtigkeit aus Glauben ist es so: Das, was Jesus getan hat – indem du an ihn glaubst – wird dir übertragen. Es wird dir angerechnet. Du kriegst eine gute Note für das, was ein anderer getan hat. Und wenn wir das wirklich glauben, dann haben wir den Durchbruch in eine wirkliche freie Beziehung zu Gott, dem Vater, wo nicht mehr Schuldgefühle und Angst vor Strafe, Angst vor dem Zornesgericht Gottes, Angst vor irgendwelchen negativen Konsequenzen uns lähmen und unseren Glauben sozusagen zusammenschrumpfen lassen und am Ende fast nichts mehr übrigbleibt an der Erfahrung von Liebe und Güte Gottes.

Er ist unser Stellvertreter im Tod – und genauso auch im Leben. Christus ist unser Leben. Christus ist unser Leben, und er hat für uns das Gesetz erfüllt. Und sein Stand vor Gott wird uns angerechnet. Wir haben die Gerechtigkeit aus Gott.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 7 – Gottes Gerechtigkeit (20:00 bis 25:00)

 

Und unser Negatives hat er getragen, damit wir sein Positives haben können: Unsere Gottesferne hat er genommen, damit wir seine Gottesnähe haben können. Unsere Ungerechtigkeit oder unsere Sünde – wie es hier heißt – hat er genommen, damit wir seine Gerechtigkeit haben können.

Und wenn wir an Jesus glauben, dann wird auf wundersame Weise sein Gehorsam, das Ergebnis seines Gehorsams, mir oder dir gutgeschrieben. Und dann stehst du vor Gott nicht mit deinen Werken – und dein ganzes Vertrauen ist auch nicht mehr gegründet auf deinen Werken, sondern ist gegründet auf das, was er getan hat.

Und hier ist ein gewaltiger Unterschied. Wenn wir nämlich Menschen sind, die immer meinen mit guten Werken vor Gott stehen zu müssen und Gott sozusagen zufriedenstellen zu müssen mit guten Werken, dann wird eines mit Sicherheit eintreten: Wir werden sehr verkrampft sein.

Wir werden sehr in Stress sein, wir werden immer auf uns selber schauen und immer gucken, wo wir gerade stehen und ob alles richtig ist, ob wir alles gemacht haben – und wir werden bestimmte Merkmale des neutestamentlichen Lebens, nämlich Friede und Freude nicht haben, mit Sicherheit nicht haben. Du kannst nicht Frieden haben mit Gott wenn du das Gefühl hast, er wollte, dass ich gestern missioniere und ich hab’s nicht gemacht und ich lag am Strandbad und hab mir die Sonne auf den Pelz scheinen lassen und jetzt habe ich fürchterlich versagt.

Du kannst nicht mit diesem Gefühl „ich hätte das tun sollen, aber ich hab’s nicht gemacht“ dann die Gegenwart Gottes genießen. Das nächste Mal wenn du in die Gegenwart Gottes kommst, du wirst nicht seine Freundlichkeit genießen, sondern du wirst den Kopf einziehen und Angst haben, was jetzt für ein Donnerwetter oder Gericht oder Gewitter da runterkommt. Es ist unweigerlich dein Vertrauen an deine Werke verbunden mit Erwartung von Strafe – unweigerlich. Rechnest du mit deinen Werken, mit deinem Einsatz, mit deinem Engagement, setzt du dein Vertrauen in das, was du tust, dann wirst du unweigerlich eben in dieses Problem hineinlaufen: Angst vor Strafe, Angst vor Zurücksetzung, Angst vor Liebesentzug. Weil du einfach dieses Gefühl hast, du warst ein unartiges Kind, du hast nicht getan, was du tun solltest. Versteht ihr, wovon ich hier spreche? Leuchtet euch das ein?

Das ist einer der deutlichsten Unterschiede hier, den wir haben, zwischen dem Evangelium und irgendeiner Form von Religion. Auch von tradition christlicher Religion. Da ist es immer: Der Mensch muss sich seinen Weg machen zum Himmel. Jede Religion ist darauf angelegt: Du musst Punkte sammeln – ob du beim Wachtturm bist oder bei irgendwas anderem, du musst Punkte sammeln, du musst dich anstrengen und so steigst du langsam auf der religiösen Leiter gen Himmel Richtung Erlösung. Und das ist ein harter, steiniger, schwerer Weg. Und deswegen sind alle die, die das versuchen, so gefrustet. Und sind geknechtet. Und sie sind sich nie sicher und sie wissen nie, woran sie sind. Religion ist: Der Mensch bahnt sich einen Weg zum Himmel – und Evangelium ist: Der Himmel kommt zum Menschen. Das ist der Unterschied.

Du siehst am Ende in der Bibel: Die himmlische Stadt kommt herab.

Off 21
1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer ist nicht mehr.
2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel von Gott herabkommen, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut.

Nicht wir kraxeln hoch, sondern die himmlische Stadt kommt herab. Nicht wir strengen uns an, sondern Gott vom Himmel kommt zu den Menschen. Das ist der wichtigste Punkt, wo Religion, auch christliche Religion, unterschieden werden kann von der froh machenden Botschaft des Evangelium. Es kommt nicht auf unsere Werke an, was unsere Beziehung zu Gott angeht.

Du sagst: Ja, aber die Werke sind doch wichtig! Schreibt doch auch Jakobus.

Jak 2,26
Denn wie der Leib ohne Geist tot ist, so ist auch der Glaube ohne Werke tot.

Ja, aber die Frage ist: Was ist das Motiv für meine Werke? Ist das Motiv, Gott gnädig zu stimmen, in Gottes Nähe zu kommen, seine Liebe zu spüren? Dann ist es Gesetz! Und dann ist es Tod und dann wird es sehr, sehr krampfig und eng werden.

Das Gesetz hab ich eben so kurz definiert: Das Gesetz ist: Tu all diese Dinge, und dann wirst du leben.

Röm 10,5
Denn Mose beschreibt die Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz ist: „Der Mensch, der diese Dinge getan hat, wird durch sie leben.“ (3. Mose 18,5)

Und die Gnade ist die genaue Umkehrung. Die Gnade ist genau das Gegenteil: Lebe – und dann wirst du als Folge davon alle diese Dinge tun.

Die Taten sind nicht ein Mittel zum Zweck, Gott gnädig zu stimmen, von Gott etwas zu bekommen oder Gottes Zorn zu besänftigen, sondern sie sind ein Ausfluss unserer Liebe und unserer Dankbarkeit und dessen, was wir von Gott empfangen haben. Verstehst du den Unterschied?

Lebe – und du wirst diese Dinge tun.

Das ist, was die Gnade sagen würde, das genaue Gegenteil!

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 7 – Gottes Gerechtigkeit (15:00 bis 20:00)

 

Aber die Schrift redet auch davon – z.B., dass er unser Stellvertreter ist JETZT. Nach der Auferstehung im Himmel. Er ist unser Fürsprecher. Er ist also beim Vater und spricht für uns. Er spricht für uns. Warum brauchen wir einen Fürsprecher? Weil es einige Dinge gibt, die da oben ankommen, die gegen uns sprechen. Deswegen brauchen wir einen Fürsprecher. Und Jesus ist unser Fürsprecher vor dem Vater. Sozusagen: Jesus erinnert ununterbrochen den Vater daran, wenn da bei ihm also die Bad News über uns ankommen, dann erinnert Jesus den Vater daran, was er für uns getan hat und dass er die Strafe bezahlt hat. Und Jesus hat nicht nur die Strafe unserer vergangenen vorchristlichen schlechten Taten irgendwie bezahlt, sondern Jesus hat auch eine Sühne erwirkt für die Dinge, die wir seitdem als Christ uns geleistet haben oder wo wir zu kurz gekommen sind.

Manche lehren dort, ja, du hast jetzt Sündenvergebung für alles, was du in der Vergangenheit getan hast, aber jetzt pass auf. Ab jetzt wird mitgezählt. Ab jetzt werden die Punkte gemacht.

Und das ist wohl nicht das, was ich lese im Neuen Testament. Jesus ist auch die Sühne für die Dinge, die danach passiert sind. Das ist ganz, ganz wichtig. Und wir brauchen keine Angst zu haben wie manche Leute, die meinen: Ja, wenn man das verkündigen würde, dann ist ja Tor und Tür auf für die Sünde. Und dann ist sowieso alles egal – wir haben ja eine Erlösung und wir haben eine grenzenlose Vergebung und die Gnade deckt dann irgendwie alles zu.

Wir brauchen keine Angst zu haben, dass wir strenger sein wollen als der liebe Gott. Wenn Er diese Gnade gegeben hat und wenn Er sagt, das ist, was wir wirklich brauchen, diesen Vorschuss an Vertrauen und an Entgegenkommen und dass uns das gut tut und dass uns das motivieren wird, dann brauchen wir keine Angst zu haben, das wird Leuten eine Entschuldigung geben zur Sünde. Die würden auch ohne unsere Entschuldigung sündigen! Sowieso. Wer so sagt: Mir ist alles wurscht jetzt und der die Gnade verdreht und sagt, es kommt auf gar nichts an irgendwie – dann ist sowieso ein ganz grobes Missverständnis da.

Glaube ist der Ersatz für die Werke. Und es ist der Glaube an den, der den Gottlosen rechtfertigt.

Röm 4,5
Dem dagegen, der nicht Werke tut, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet,

Und das ist eben Gott. Gott selbst rechtfertigt den Gottlosen und Er kann das tun im Hinblick auf das Kreuz. Im Hinblick darauf, dass Jesus für uns alles bezahlt hat.

So kann man also sagen, dass durch den Glauben an Gott mir das angerechnet wird, was Jesus für mich getan hat.

Ich glaube an Gott, der den Gottlosen rechtfertigt und damit wird das, was Jesus für mich am Kreuz erworben hat – und nicht nur am Kreuz, sondern auch in seinem Leben – auch indem er als Mensch das Gesetz erfüllt hat. Er war sozusagen nicht nur in der Strafe mein Stellvertreter, er war auch im Leben mein Stellvertreter. Und sein Leben – da können wir mit Leichtigkeit irgendwie dem zustimmen und das glauben – sein Leben hat total den Vater zufriedengestellt. Da gibt es keine Vorbehalte, keine Distanz, keine Skepsis, kein „man muss nochmal genau nachschauen“, also wir wissen noch nicht genau, was ist jetzt? Sondern da ist eine totale Akzeptanz. Jesus hat in jeder Hinsicht den Vater zufrieden gestellt.

Und wenn ich an Gott glaube, der die Gottlosen rechtfertigt, dann wird eben der perfekte Gehorsam von Jesus sozusagen auf mein Konto mir gutgeschrieben. Und nachdem ich glaube an Jesus, wird mir sein Stand vor Gott übertragen. Sein Stand, den er hat vor Gott, wird mir übertragen.

2 Kor 5,21a
Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, –

… das ist der negative Anteil des Kreuzes. Aber wozu?

2 Kor 5,21b
damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm.

Das Kreuz ist der totale Ort des Austausches. Jesus hat den Fluch genommen, damit wir den Segen haben können. Welcher Fluch? Das war unser Fluch. Welchen Segen sollen wir bekommen? Den Segen, den er sowieso schon hatte in seiner Beziehung zu Gott.

Jesus hat unsere Krankheit getragen, damit wir Heilung haben können. Welche Heilung? Die, die er sowieso hat. Er ist Heilung und göttliche Gesundheit.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 7 – Gottes Gerechtigkeit (10:00 bis 15:00)

 

Aber erstmal, das ist, was da geschieht: Wir kommen in die Gegenwart Gottes – und bei niemandem läuft das so bewusst ab, ja? Aber wer nicht frei ist vom Gesetz und wirklich in diese Gnadenfreiheit entlassen ist, ist unter dem Gesetz. Davon muss man wirklich ausgehen. Und man kommt dann mit einer totalen Konzentration auf sich selbst, weil ja der Lohn, den wir erwarten, in direkter Proportion ist zu dem „brav sein“, zu dem „gehorsam sein“, zu den Dingen, die wir getan haben.

Und da ist das Problem: Wir sind auf uns bezogen, wir schauen auf uns. Unser ganzes Vertrauen sind ja auch unsere Werke und jetzt kommen wir in die Gegenwart Gottes, und je näher wir kommen, Gott ist Wahrheit und da ist Licht, sehen wir erstens dass das, was wir an Gutem da vorbringen wollen, gar nicht so viel ist. Das vermindert unsere Erwartung schon beträchtlich. Dann ein zweites Problem: Wir sehen auf einmal nicht nur die Dinge, die wir getan haben und die wir auch tun sollten, sondern weil wir ins Licht kommen, wir sehen die vielen Dinge, die wir hätten tun sollen und nicht getan haben.

Und das vermindert unsere Erwartung an Gott noch mal ganz dramatisch. Und am Ende kann dann dabei herauskommen, dass es überhaupt keine Freude gibt, in die Gegenwart Gottes zu kommen. Weil da so viel Dinge sind, die auf einmal uns bewusst werden an Versäumnissen, an Sachen, die wir nicht getan haben, die uns anklagen. Eben dieses Problem der Verdammnis, der Schuldgefühle – wir fühlen uns angeklagt, dass am Schluss dann kaum noch etwas wirklich übrig bleibt, was wir tatsächlich erwarten können.

Im Alten Tesament wird diese Gerechtigkeit so ausgedrückt – bzw. Paulus zitiert es dann in Röm 10,5.

Röm 10,5
Denn Mose beschreibt die Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz ist: „Der Mensch, der diese Dinge getan hat, wird durch sie leben.“ (3. Mose 18,5)

Der Mensch, der das Gesetz erfüllt, wird durch die Erfüllung des Gesetzes leben. Mit anderen Worten: Die Kurzformel des Gesetzes ist die: Tu all das, und dann wirst du leben.

Und das Problem ist, wir kommen nie zu diesem schönen Punkt, wie er in der Werbung beschrieben wird: „wenn alles getan ist“. Und wenn sie dann so ganz entspannt so nach Hause gehen. Wir kommen nie zu dem Punkt, wo wir ehrlich sagen können: Okay, wir haben wirklich getan, was wir hätten tun sollen. Wir kommen niemals zu diesem Punkt. Und stattdessen kommen wir dann zu Verdammnis, zu diesem Gefühl zu kurz gegriffen zu haben, nicht das gebracht zu haben, was wir hätten bringen sollen. Und das bringt dann diese Schuldgefühle, diese Minderwertigkeit und diese Unsicherheit in unsere Beziehung zu Gott.

Wer die Dinge des Gesetzes getan hat, der wird durch sie leben. Aber wir kommen nie zu dem Punkt, dass wir alles getan haben. Das ist das Problem des Gesetzes. Und darum hat Gott eine bessere Lösung dann geschaffen, eine Alternative zur Gerechtigkeit aus dem Gesetz.

Und das ist die Gerechtigkeit eben aus der Gnade, wo es nicht um unsere Werke geht, sondern wo es eine Alternative für die Werke gibt. Röm 4,5 redet dann davon.

Röm 4,5
Dem dagegen, der nicht Werke tut, sondern an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet

Dem einen – also nochmal Röm 4,4 – werden die Werke zur Gerechtigkeit gerechnet – und dem anderen wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet. Der Glaube ist also die Alternative oder der Ersatz für die Werke.

Und es ist der Glaube an den, der den Gottlosen rechtfertigt, das ist unser Herr. Und unser Glaube wird uns angerechnet als hätten wir die Gerechtigkeit erfüllt. Der Glaube wird uns angerechnet als hätten wir die Gerechtigkeit erfüllt. Und der an den wir glauben, das ist eben Jesus, unser Stellvertreter, der der erste und der einzige Mensch war, der in tadelloser Weise das Gesetz erfüllt hat. Jesus hat das Gesetz erfüllt und er ist unser Stellvertreter. Nicht nur, wie manche meinen, am Kreuz – natürlich, das ist das zentrale – er ist unser Stellvertreter am Kreuz, er hat unsere Strafe, unsere Schuld auf sich genommen und deswegen sind wir dann frei vor Gott von Strafe und von Schuld.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 7 – Gottes Gerechtigkeit (5:00 bis 10:00)

 

Aber im Neuen Testament – Gerechtigkeit – wenn Paulus diesen Begriff gebraucht, dann fast immer redet er von unserem Status vor Gott, von unserer Beziehung vor Gott oder von der Grundlage unserer Beziehung vor Gott. Wenn jemand vor Gott gerecht ist, dann ist er unanschuldbar, unanklagbar und eben rein vor Gott. Und er hat einen Stand, dass er Gott gefällt. Das ist so vielleicht mit meinen Worten dieser Punkt von „Gerechtigkeit“.

Und es gibt beschrieben im Worte Gottes und dann hauptsächlich wird das eben hervorgehoben im Neuen Testament, nur zwei Wege wie man zu diesem Punkt der Gerechtigkeit vor Gott kommt. Nur zwei. Und entweder wir beschreiten den einen oder den anderen, es gibt nur zwei Wege zu einem gerechten Stand vor Gott zu kommen, wo Gott uns akzeptiert und total bejaht und wo wir sozusagen nicht anklagbar sind und nicht angeklagt werden und demzufolge eben auch Frieden haben mit Gott. Und nur wer Frieden hat mit Gott kann auch die Liebe Gottes erleben. Und das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt, dass wir tatsächlich dahin kommen, was für viele Gläubige ein echtes Problem ist: Die Liebe Gottes wirklich zu fühlen und zu erleben und zu genießen. Das ist ein Bereich, der sehr große Bedeutung hat und an dem sehr, sehr viele Gläubige echten Mangel haben. Sie wissen das theoretisch und sie wissen, sie sollten das glauben – sie glauben das auch irgendwie, aber sie erleben relativ wenig in diesem Bereich, was also die persönliche Zuwendung von Gott angeht. Und ich glaube, dass das zusammenhängt eben mit dem, was ich hier heute lehren will über die Gerechtigkeit und unseren Weg zur Gerechtigkeit.

Wenn wir uns Römer 4 anschauen, dann ist da der erste Weg zur Gerechtigkeit beschrieben. Ich les einmal den Text dort vor.

Röm 4,4
Dem aber, der Werke tut1, wird der Lohn nicht angerechnet nach Gnade, sondern nach Schuldigkeit.

Das klingt ein bisschen theoretisch, aber was damit gemeint ist, ist, jemand tut bestimmte Werke, die er auch tun soll, die in sich auch richtig sind, aber er setzt sein Vertrauen auf die Werke und deswegen ist das, was er an Lohn bekommt, wirklich ein Lohn im Sinne von einer Bezahlung für das, was er getan hat. Und das ist eben nicht Gnade. Das heißt, mit den Werken, die er dann sozusagen vor Gott bringt, klagt er sein Recht ein, jetzt eben entsprechende Belohnung zu bekommen.

Diesen Weg der eigenen Werke nennt die Bibel eben die Gerechtigkeit aus dem Gesetz – eben als Gegensatz von Gnade. Gesetz oder Gnade – wir sind entweder unter dem Gesetz oder unter der Gnade. Entweder haben wir unsere eigene Gerechtigkeit oder wir haben eben die Gerechtigkeit, die Gott hat für uns.

Aber lasst mich noch ein bisschen bei der bleiben, dass wir die ein bisschen besser verstehen. Es wäre töricht zu meinen, ja, im Alten Testament, das war die Gerechtigkeit, die sie hatten, heute leben wir im Neuen Testament und jetzt automatisch hätten wir die Gerechtigkeit aus Gnade. Das wäre schön wenn es so wäre, aber leider ist es so, dass viele mit neutestamentlichen Geboten und sogar mit Verheißungen und Verhaltensmaßregeln versuchen, eine Gerechtigkeit sich selber zu schaffen, die eigentlich wenn man sie anschaut total alttestamentlich ist, die total eben nach der Art und Weise des Gesetzes ist.

Das Problem beim Gesetz oder bei den Werken aus dem Gesetz ist eben dieses, dass man den Lohn, sagen wir mal jetzt eben dieses „Angenommen sein“ von Gott, die Liebe Gottes, den Segen – dass wir das bekommen aufgrund unserer Werke. Da liegt das Hauptproblem. Das bedeutet nämlich, dass wir ständig mit uns selbst beschäftigt sind, dass wir ständig auf uns schauen. Wenn wir in die Gegenwart Gottes kommen, wir erwarten ja Lohn gemäß dem Maß unserer Werke.

Das klingt noch alles ein bisschen theoretisch, schaut mich nicht so ratlos an, das kommt alles noch, ja? Es wird noch ein bisschen griffiger werden.

Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 7 – Gottes Gerechtigkeit (0:00 bis 5:00)

 

So, jetzt möchte ich euch ganz herzlich begrüßen hier zur Fortsetzung von Grundlagen. Das letzte Mal haben wir gesprochen über Wandel im Geist. Ich müsste noch so viel dazu sagen, aber wenigstens zur Wiederholung oder zur Abrundung dessen, was ich da gesagt hab, will ich noch ein paar Sätze dazu sagen. Der Hauptpunkt bei Wandel im Geist ist der, dass wir lernen dem Heiligen Geist so Raum zu geben durch bestimmte Verhaltensweisen, durch bestimmte Reaktionsweisen auf unserer Seite, dass er ungehindert uns dienen kann und dass er eben all das, was wir brauchen für den Bedarf unserer Seele uns wirklich zukommen lassen kann an Gutem. Und einer der Hauptpunkte dabei war dann zum Schluss, der etwas zu kurz gekommen ist, deswegen erwähne ich es lieber nochmal: Dieser Lebensstil der Anbetung.

Der entscheidende Punkt dabei ist der, dass wir es vom Wort her sehen und dass wir uns selber dazu festlegen. Egal wie wir uns fühlen, egal wie es uns geht, egal wie die Umstände sind, wir wollen allzeit wirklich den Herrn preisen.

Und diese Festlegung, die wir auch bei David sehen können. An einer Stelle sagt er sogar, dass er ein Gelübde gemacht hat.

Ps 61,9
So werde ich deinen Namen besingen immerdar; um damit meine Gelübde zu erfüllen Tag für Tag.

Ein Gelübde, jeden Tag diesen Namen des Herrn zu preisen. Und manche andere Schriftstellen bei ihm auch betonen das sehr stark, diese Konstanz. Und nur wenn wir zu diesem Punkt der Hingabe kommen, dann lernen wir den alten Verhaltensmustern von Auflehnung, Aufbegehren, Rebellion, Schmollen, uns ungerecht behandelt fühlen, undankbar sein, negativ sein, traurig sein, entmutigt sein usw., was dir noch alles einfällt, dem zu entfliehen. Nur auf diese Art und Weise, indem wir uns festlegen, wir preisen den Herrn egal was los ist. So kommt der Strom des Heiligen Geistes und wir lernen uns nicht diesen heillosen, unguten Gefühlen zu überlassen.

Und das hat gewaltige Segnungen dann für uns. Und die Seele kommt unter den Einfluss des Wortes und unter den Einfluss des Heiligen Geistes und unseres Geistes und da kommt viel, viel Stabilität dann hinein.

Und ein Sonderpunkt, eigentlich von Wandel im Geist ein Unterpunkt will ich dann heute noch bringen, indem ich also hier über etwas spreche, was ich schon kurz erwähnt habe in der vorigen Lektion. Und zwar geht es um diesen Punkt der Sündenvergebung und des Lebens in ständiger Sündenvergebung. Wahrscheinlich dieser Bereich von Schuldgefühle, sich minderwertig fühlen vor Gott, Angst haben vor Gott, Angst vor Gottes Gericht, Angst vor Strafe, das ist wahrscheinlich so der Hauptpunkt, der uns hindert, die Liebe Gottes wirklich regelmäßig zu empfangen. Das ist eines der größten Probleme, die wir haben, die auch im Worte Gottes, im Neuen Testament sehr stark vorkommen und behandelt werden. Und die Antwort eben auf diese Blockade – Angst, Minderwertigkeit, Angst vor Strafe usw. – die finden wir also in der sogenannten Lehre von der Gerechtigkeit.

Das ist ein so wichtiges Thema, dass du – ich hab’s nicht genau gezählt – aber vielleicht sogar mehr darüber findest in den Schriften von Paulus als über das Thema Sünde. Ein sehr, sehr wichtiges Thema für den neutestamentlichen Christen. Und zwar geht es da um die Grundlage unserer Beziehung zu Gott. Gerechtigkeit hat zwei verschiedene Ebenen: Im Alten Testament sehen wir überwiegend Gerechtigkeit definiert im Sinne von gerechter Lebensstil, Dinge, die sichtbar sind nach außen, die ein anderer sehen kann. Und das ist eine sehr, sehr wichtige Ebene.

Aber im Neuen Testament sehen wir eine vorgeschaltete andere Ebene, die zunächst einmal dran ist. Und nur wenn die wirklich geklärt ist, dann wird auch diese Frage des Lebensstils , des gerechten Lebensstils mit seinen Früchten, wie er beschrieben wird, dann auch richtig gelöst werden können.