Hartwig Henkel – “Gebet” Teil 2 (15:00 bis 20:00)

 

Und da ist sehr, sehr viel Verwirrung und meiner Meinung nach nimmt diese Verwirrung immer mehr zu. Und das hat zu tun mit diesen seltsamen Ideen über Gnade, die da jetzt so ins Land strömen, dass Menschen eine seltsame Idee haben über was die Gnade Gottes ist. Und man vertsteht Gnade als unverdiente Gunst – was es auch tatsächlich ist – aber Gnade Gottes heißt: Es hat mit mir, damit Gnade in meinem Leben wirksam wird, es hat mit mir überhaupt nichts zu tun. Und das ist nicht, was die Bibel lehrt!

Es ist unverdient, es ist von Gott, und Gott in Seiner freien Wahl hat sich entscheiden uns Gnade zu geben. Aber damit Gnade wirksam wird braucht es auf unserer Seite eine Kooperation.

Und wenn heute von manchen Seiten gesagt wird: „Also, Gnade ist total übernatürlich, Gnade ist göttlich, und Gnade heißt, es hat mit dir nichts zu tun, und wenn es etwas mit dir zu tun hat, ist es nicht Gnade“ – das ist ein Irrweg. Das ist nicht richtig.

Z.B. heißt es: Gott widersteht dem Stolzen, aber dem Demütigen gibt er Gnade.

Jak 4,6 / Spr 3,34
Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.

Das heißt also, um Gnade haben zu können in meinem Leben, muss ich doch etwas tun, nämlich ich muss mich demütigen. Sonst bekomme ich keine Gnade. Weil der Stolze bekommt keine Gnade.

So, es ist unverdient, es ist von Gott, und wir haben keinen Rechtsanspruch darauf, aber doch hat es etwas mit uns zu tun. Das ist ganz, ganz, ganz wichtig, dass wir das verstehen.

Weil heute wird verstanden: Gnade ist mühelos, ohne Anstrengung und hat überhaupt nichts mit dir zu tun. Das klingt wunderbar, aber es ist nicht, was die Bibel lehrt.

Paulus sagt z.B., er warnt: „Gebt acht, dass ihr nicht die Gnade Gottes vergeblich empfangt“.

2 Kor 6,1
Als Mitarbeiter aber ermahnen wir auch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangt.

So, ob die Gnade etwas tun kann in mir oder ob sie vergeblich gekommen ist in mein Leben, hat etwas mit mir zu tun. Es ist Gnade, ich kann mir das nicht selber verschaffen, es ist Gnade, aber trotzdem hat es etwas mit mir zu tun. So, Gnade heißt nicht, auf unserer Seite Passivität und auf Gottes Seite volle Aktivität – das ist verkehrt. Das ist ein verkehrtes Verständnis.

Und es wird heute eine neue Geistlichkeit propagiert und dieses Schlagwort dort, was sehr viel gebraucht wird – es kommt ja aus dem Englischen – „effortless“ – mühelos, ohne Mühe, ohne irgendeine Anstrengung. Weil wenn es Anstrengungen sind, so sagen sie, dann sind es eigene Werke und es sind tote Werke und die hindern dich einfach die Gnade Gottes zu empfangen.

Das sind scheingeistliche Sprüche und hütet euch vor einem solchen Verständnis von Gnade. Es gibt eine ganze Bewegung, die sich aufgemacht hat, das Volk Gottes mit diesen neuen Offenbarungen über die Gnade Gottes zu beglücken und es ist hoch gefährlich. Es ist hoch gefährlich, weil es die Leute in eine Passivität hineinführt und in eine Leichtfertigkeit. Und da wird Gnade verstanden als ein Ersatz für Opfer. Und das ist nicht, was Gnade Gottes ist.

Wie mir zum ersten Mal aufgefallen ist, dass da etwas schief läuft in unserem Gnadenverständnis, war eine Konversation zwischen zwei Bibelschülern, die ich einmal zufällig gelauscht habe – also ich stand in der Nähe und die unterhielten sich und ich habe nicht bewusst irgendwie versucht zu hören, was die reden, aber die haben so laut geredet, dass ich es halt gehört habe.

Und die Unterhaltung ging ungefähr so: „Heute abend ist Gebetsnacht – hmm, was machen wir? Gehen wir ins Kino und nehmen wir Gnade?“

Das musst du dir mal vorstellen. Also wir tun jetzt nicht das, was von uns verlangt wird, was von uns erwartet wird, was richtig ist, was notwendig ist, sondern wir gehen unserer eigenen Lust nach – und das nennen wir „wir nehmen Gnade“. Das ist ein totaler Missbrauch von Gnade. Und Judas warnt davor, dass das geschehen wird in den letzten Tagen, dass die Gnade Gottes verkehrt wird in Ausschweifung.

Jud 4
Denn gewisse Menschen haben sich heimlich eingeschlichen, die längst zu diesem Gericht vorher aufgezeichnet sind, Gottlose, welche die Gnade unseres Gottes in Ausschweifung verkehren und den alleinigen Gebieter und unseren Herrn Jesus Christus verleugnen.

Was ist Ausschweifung? Ausschweifung ist Zügellosigkeit, d.h. sich gehen lassen, und man macht das, wozu man Lust hat. Und jetzt wird die Gnade Gottes verdreht und wird ein Freibrief für ein Leben ohne Disziplin.

„Weil Disziplin ist schließlich gesetzlich – und wir sind ja frei, wir sind unter der Gnade“ – so wird heute gedacht und das nimmt massiv zu dieses Denken.

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