Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 7 – Gottes Gerechtigkeit (30:00 bis 35:00)

 

Luther hat dort – oder die dann später das irgendwie revidiert haben – hat es nicht fertiggebracht das irgendwie so klar auszudrücken wie es da steht. Da findest du dann in Luther-Übersetzungen „die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt“. Aber einfach im Griechischen steht dort: Die Gerechtigkeit Gottes.

Und das kannst du verstehen, diesen Ausdruck bei Luther, das ist noch eine Stufe darunter. Das ist nicht die Gerechtigkeit Gottes, aber naja gut, „lassen wir gelten“. So ungefähr, ja? So „4-„. Mit Ach und Krach irgendwie so gerade noch so.

Aber das ist nicht, was da steht. Sondern was dir übertragen wird durch Gottes Gnade ist eben der Stand von Jesus vor dem Vater. Das ist, was dir übertragen wird. Das ist ja auch alles beinhaltet in dieser Tatsache, dass wir durch Christus Zugang haben sollen zum Vater. Dass wir in seinem Namen kommen sollen wenn es darum geht, konkrete Bitten zu äußern. Wir sollen nicht in unserem Namen kommen, nicht mit unseren Werken, nicht mit dem, was wir können und haben, sondern wir sollen kommen in seinem Namen.

Und da hat Gott uns sozusagen eine Brücke gebaut irgendwie, dass wir glauben können, dass wir geliebt sind, obwohl wir unvollkommen sind. Das ist das Problem. Das ist der entscheidende Punkt, ja, worum es geht eben und wo die Gefahr ist zu Knechtschaft und sich selbst zu unterdrücken und anzuklagen, wenn man einen solchen hohen Standard, wie er im Neuen Testament uns beschrieben wird, eben für sich übernimmt. Dann ist da so gefühlsmäßig halt immer das miteinander verbunden: Liebe als Bezahlung sozusagen für Gehorsam. Oder Liebesentzug, Bestrafung als Folge für Ungehorsam oder für Unvollkommenheit.

Und darum müssen wir aufpassen für uns selbst und die Gemeinde, in der wir sind, dass wir in einer Balance sind. Dass wir einen klaren göttlichen Standard haben und den kombinieren mit Gnade. Dass nicht irgendwie eine Atmosphäre von Leistung und von eigener Anstrengung und Verdammnis usw. kommt.

Eine Gemeinde, die unter dem Gesetz ist, kannst du mit Leichtigkeit daran erkennen, dass es keine freudevoll Begegnung mit Gott in der Anbetung gibt. Weder im Leben des Einzelnen noch im Gottesdienst.

Niemand, der unter dem Gesetz versucht, Gott zu gefallen, kann sich mit offenem Herzen so in seine Gegenwart hineinwagen und einfach seine Liebe unbeschwert wie ein Kind ausdrücken. Niemand kann das. Sondern man muss sich schützen, man muss schauen, wieviel hat man an sozusagen Glaubensgrundlage um jetzt den Segen Gottes zu bekommen. Man ist auf sich fixiert und man wird diese Schuldgefühle, die sich automatisch einstellen, niemals wirklich abschütteln können – niemals wirklich überwinden können.

Und so gibt es also paradoxerweise viele neutestamentliche Gemeinden, die Gott dienen in alttestamentlicher Weise. Es ist paradox, aber es ist wirklich so. Und wo wir nicht einen freien Zugang haben zu Gott und wo die Liebe Gottes das Therapeutikum Nummer 1 ist, sondern die Knute des Gesetzes: „Du hast nicht, und du solltest, und warum hast du nicht? Und du musst doch endlich mal“ usw. Und so wird dann eine ganze Gemeinde gegängelt, gequält, gepeinigt: „Ihr müsst evangelisieren, ihr müsst beten, ihr müsst das …“ usw.

Beten, Evangelisieren – all das sind gute Dinge. Aber wenn sie eine Geißel werden, uns ein schlechtes Gewissen einzuhämmern und wir danach uns dann wieder als Versager fühlen und wenn es sogar so ist, dass also dann eine Predigt im Sonntag nicht zu einem Genuss wird, sondern zu einer Belastung wird – wie ich das in frühreren Zeiten erlebt habe. Und man brauchte drei Tage um wieder auf Normalverfassung zu kommen – also am Mittwoch ungefähr, in der Mitte der Woche hat man dann den Sonntag so einigermaßen innerlich irgendwie so wieder verarbeitet und verkraftet und konnte dann ein bisschen Kraft sammeln im anstrengenden Alltag, um sich zu wappnen für den nächsten Sonntag.

Das ist nicht das biblische Maß. Die Bibel sagt, dass Gemeinde ein Ort der Freiheit und der Freude ist und wo wir Gott feiern und wo wir Gott begegnen, wo wir aufgeladen werden sollen mit Kraft, um dann rauszugehen, um für Gott die Woche zu arbeiten. Und dann kommen wir zurück und wir feiern wieder. Das ist, was Gemeinde ist eigentlich. Es ist nicht, wo wir dann noch zusätzlich: „Ja, das habt ihr alles nicht gemacht, schaut mal, das und das und das“.

Viele Predigten, die ich kennengelernt habe, gehen noch folgendem Muster: „Das ist, was Gott sagt, was ihr sein solltet, aber das da unten seid ihr, und jetzt geht nach Hause. Amen“.

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