Hartwig Henkel – “Grundlagen des biblischen Lebensstils“, Teil 7 – Gottes Gerechtigkeit (35:00 bis 40:00)

 

Da wird ein hoher Standard vorgelegt, dann wird uns gesagt, dass wir den Standard nicht erreicht haben, uns wird kein Wort gesagt, wie wir diesen Standard erreichen sollen und wir gehen mit dem Gefühl nach Hause, irgendwie sind wir keine richtigen Christen.

Viele, viele Gemeinden habe ich besucht, wo so etwas stattfindet, wo die Leute nicht aufgebaut werden, wo sie nichts von heilsamer Gnade schmecken, wo sie nichts davon wissen, dass Gott, der Vater uns mit ganz anderen Augen ansieht, sondern wo die Gläubigen bedrückt sind und geknechtet sind.

Und wenn wir nicht als Kinder Gottes aufwachsen mit dem richtigen Bild von Gott, dem Vater, wie Er uns sieht, dann werden wir uns schief entwickeln, wir werden Wachstumsstörungen haben oder irgendwie werden wir seelisch/geistlich verkrüppelt werden und wir werden eine Menge von Problemen haben, die wir dann auch an andere weitergeben – eine Menge von Problemen.

Und die allererste Botschaft, die auch damals ja so bei den Juden schockierend war, die Jesus gebracht hat: Gott will euer Vater sein. Gott will euer Vater sein!

Einen Gott mit lauter Regeln und Gesetzen und Verordnungen, den hatten sie schon. Einen heiligen Gott. Aber das war ein Skandal für sie: Gott ist ein Vater. Und Er will eine persönliche Beziehung haben zu dir und er ist voller Verständnis. Und Er weiß, wo du jetzt bist und Er kann das verstehen. Und Er erwartet nicht von dir heute etwas, was erst in ein paar Jahren für dich dran ist, sondern er kommt dir auf deinem Niveau entgegen – sogar wenn du 20 Jahre auf der Stelle getreten bist und irgendwie geistlich dich kaum bewegt hast und schon geistlich schontot warst – Gott kommt immer auf die Ebene, wo wir jetzt sind, und von da dient er uns – nicht mit Anweisungen, nicht mit Aufgaben, nicht mit Regeln, die er über uns so ausschüttet – sondern Er kommt mit Liebe.

Und Gott hat eben diesen Weg gefunden durch Jesus, durch den Opfertod und durch das vergossene Blut, dass wir glauben können an seine Liebe wiewohl wir unvollkommen sind. Das ist der entscheidende Punkt, der geleistet wird von der Lehre „Gerechtigkeit aus Glauben“. Wir können glauben an die Liebe Gottes wiewohl wir wissen und das auch deutlich erlebt haben, dass wir noch nicht vollkommen sind.

Jesus ist unser Zugang zum Vater. Wir kommen nicht zum Vater aufgrund unserer eigenen Leistungen. Das ist, was Jesus meinte als er sagte, die „enge Pforte“, durch die wir eingehen sollen. Wenn wir solche Worte lesen und wir verstehen nicht wie das mit Gnade zusammenhängt – wir kriegen Ängste. „Na, wer weiß, ob das nicht alles irgendwie viel zu einfach ist wie wir uns das machen. Jetzt haben wir schöne happy clappy charismatische Gottesdienste, aber eines Tages kommt dann der entscheidende Test, und dann kommt die enge Pforte und ich hoffe, dass ich da noch durchpasse oder ob ich nicht geistlich irgendwie viel zu fett und behebig geworden bin“.

Die enge Pforte ist so eng, dass nur einer da durchpasst und der heißt Jesus. Und wir kommen entweder durch Jesus zum Vater oder wir kommen überhaupt nicht zum Vater. Wir kommen nicht zum Vater mit unserer Leistung, mit unseren Werken, mit unserer Anstrengung.

Und es ist schon interessant, dass auf der einen Seite so viele Gläubige Mühe haben zu glauben, wenn sie anfangen zu beten, dass Gott anfängt zu strahlen und sich zu freuen und begeistert ist wenn da sein liebes Kind in Seine Nähe kommen will. Viele haben Mühe das zu glauben. Und weil sie das nicht glauben können, deswegen haben sie auch gar keine Freude an ihrem Gebet. Es ist eine Qual zu beten zu einem Gott, von dem man nicht weiß, ob man bei Ihm hochwillkommen ist. Das ist eine Qual. Es ist eine Leistung. Es ist eine fromme Sache, da kannst du auch eine tibetanische Gebetsmühle drehen, das ist genau so Knochenarbeit.

Die Grundlage von Beziehung und von Gebet ist, dass ich wirklich glauben kann im Herzen, Gott liebt mich, Gott ist für mich und Er bejaht mich. Und wenn ich komme, Er stößt mich nicht ab, Er sagt nicht: Ja, mein Lieber, du willst in meine Nähe kommen? Jetzt will ich dir erstmal sagen, was alles nicht gelaufen ist: Das hast du nicht gemacht, und hier warst du nicht in Ordnung und das ist verkehrt gelaufen und hier! Und überhaupt da! Und was denkst du dir darüber?! Und jetzt ab – geh mal wieder zurück und bring das alles in Ordnung, und wenn alles fertig ist, dann trau dich wieder her, aber komm ja nicht vorher, bevor du alles gemacht hast, was ich dir gesagt habe!

So ein unbewusstes Bild von Gott haben wir – wenn wir nicht geheilt sind durch diese befreiende Lehre von der Gnade und von der Stellvertretung unseres Herrn.

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